„Judith, wie kann ich mir selbst Trost schenken, außer durch Schokolade?“ Diese Frage erreichte mich auf Instagram, als ich in letzter Zeit immer Mal wieder über Trost schrieb. Diese Frage ist mehr wert, als nur ein kleiner Post im sozialen Netzwerk, finde ich. Denn ich merke, wie viele Menschen dieses Thema zur Zeit beschäftigt.

In meiner Coaching Praxis tauchte die letzten Wochen das Thema Trost verstärkt auf. Frauen, die Trost suchen, Frauen, die durch das Coaching merken, dass sie Trost brauchen, Frauen, die im Coaching Trost erleben. Und immer wieder stand die Frage im Raum ob und wie ich mir selbst Trost schenken kann. Müssen wir warten, bis uns jemand tröstet? Oder können wir das auch selbst tun?

Und auch privat beschäftigt mich das Thema Trost verstärkt in letzter Zeit. Bei all dem, was in meinem Leben im Moment los ist (*), habe ich mich zu sehr bemüht, mir praktische Unterstützung zu suchen und viel auf das zu schauen, wofür ich dankbar bin. Das war für den Moment wichtig. Gleichzeitig habe ich mir selbst nicht eingestanden, dass ich Trost brauche. Und ihn dadurch weder gesucht, noch mir selbst gegeben. Aber irgendwann wurde das Trostbedürfnis sehr laut.

(* Wenn dich interessiert, was meine privaten Stürme sind, lese gerne meine Rückblicke. ZB meinen Monatsrückblick Februar .)

Wie ist das aber jetzt? Kann ich mir selbst Trost schenken? Und warum ist Trost überhaupt wichtig?

Trost ist ein Bedürfnis

Wir Menschen sind zutiefst trostbedürftige Wesen. Das Trost ein grundlegendes Bedürfnis ist, sehen wir schon an unseren Kindern.

Von klein auf gibt es Situationen in denen sie Trost suchen.

In einer Umarmung. Einem liebevollem Blick. In Worten die Zuneigung zeigen, Mitgefühl, oder Ermutigung.

Wenn sie gefallen sind, wenn der Keks zerbrochen ist, wenn das Kuscheltier verschwunden ist. Es passiert etwas, dass Angst, Trauer oder Schmerz auslöst (oder eine Mischung davon) und sie sehnen sich nach Trost.

Und bei uns Erwachsenen ist das genau so. Wenn etwas in uns Angst, Trauer oder Schmerz auslöst, sehnen wir uns nach Trost.

Auch wenn wir dieses Bedürfnis manchmal nicht zulassen oder wahrnehmen (können). Vielleicht weil wir ungute Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben. Sich falsche Gedanken dazu in uns festgesetzt haben. („Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“, „Du bist doch jetzt schon groß.“, „Jetzt wisch deine Tränen ab.“) Viele Erwachsene haben als Kind nie erlebt, dass ihr Bedürfnis nach Trost wirklich erfüllt wurde.

Aber unerfüllte Bedürfnisse bleiben immer offen. Und sehnen sich danach erfüllt zu werden. So lange, bis es gestillt ist.

Ist unser Bedürfnis nach Trost unerfüllt, fühlen wir uns traurig, schwer, rastlos, ratlos, verzweifelt, klein, kraftlos, müde, verletzt, verzweifelt oder einsam.

Ist unser Bedürfnis nach Trost gestillt, fühlen wir uns warm, geborgen, zuversichtlich, aufgetankt, heilend, versorgt und entspannt.

Was stillt unser Bedürfnis nach Trost?

Sehnen wir uns nach Trost, sind in uns meist mehrere Bedürfnisse wach. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Geborgenheit, Heilung, Unterstützung oder Verbindung.

Unser Bedürfnis nach Trost wird also erfüllt, wenn uns zugehört wird, wenn sich ein anderer empathisch mit uns verbindet, wenn unser Schmerz oder unsere Trauer gesehen wird, wenn wir Hilfe bekommen oder unser Schmerz gelindert wird. Auch Berührungen wie eine Umarmung kann Trost spenden.

Was genau als tröstlich empfunden wird und dadurch das Bedürfnis nach Trost erfüllt ist aber individuell. Ich möchte dich einladen einmal darüber nachzudenken, was genau dein Bedürfnis nach Trost erfüllt.

Meine Bedürfnisse, meine Verantwortung

Du bist verantwortlich für deine Bedürfnisse.

Ja, ich weiß. Manchmal wollen wir das nicht hören. Wir wollen, dass andere sich um uns und unsere Bedürfnisse kümmern. Wollen die Verantwortung nicht übernehmen. Empfinden die Verantwortung als Last.

Aber wenn wir wirklich verstehen, dass wir als Erwachsene die Verantwortung für unsere Bedürfnisse haben, dann kann uns das in die Freiheit führen.

Dadurch, dass wir Verantwortung für unsere Bedürfnisse übernehmen, kommen wir raus aus einer eventuellen Opferhaltung und werden Gestalter*in unseres Lebens.

Wie kann ich denn jetzt aber Verantwortung für mein Bedürfnis nach Trost übernehmen? Zum Beispiel indem ich anderen sage, was mein Bedürfnis ist, indem ich anderen genau sage, was ich brauche, um getröstet zu werden.

Oder indem ich mir selbst Trost spende. Ich möchte dir ein paar Ideen dazu vorschlagen.

1. Höre dir selbst zu

Setze dich zu einem Gespräch mit dir selbst an den Küchentisch. Oder aufs Sofa. Oder geh eine Runde spazieren. Und höre dir bewusst zu. Was für Gedanken und Gefühle sind im Moment in dir?

Manchmal kann es tatsächlich helfen, wenn du dich dir als andere Person vorstellst. Und diese Person dann direkt fragst: „Wie geht es dir?“ In Gedanken oder ruhig auch laut.

Und dann höre dir zu.

Wenn dir das in Gedanken oder sprechend schwer fällt, versuche einmal alles aufzuschreiben, als würdest du dir selbst einen Brief schreiben.

2. Schenke dir Empathie

Wenn wir Trost brauchen, spüren wir in der Regel einen Schmerz.

Und Empathie lindert den Schmerz. Immer. Auch wenn wir selbst uns diese Empathie entgegen bringen.

Um die Empathie zu schenken, kannst du dir zum Beispiel sagen, dass du deinen Schmerz siehst. Und dass es dir leid tut, was du erlebst. Du kannst dir selbst sagen, dass du siehst, was du tagtäglich leistest und wie viele Herausforderungen du meisterst.

Du kannst dir sagen, dass du da bist. Und dass du dich hältst.

3. Umarme dich selbst

Und dann mache genau das. Halte dich. Umarme dich.

Das kannst du in Gedanken machen. Oder noch besser in echt. Umarme dich. Lege deine Arme um dich. Streichle dich. Umarmungen und liebevolle Berührungen schütten in unserem Gehirn Oxytocin aus. Das Hormon sorgt für ein Gefühl von Vertrauen und Verbindung. Wir fühlen uns dadurch sicher und getröstet.

Und ja, das ist auch so, wenn die Berührung von uns selbst kommt.

Ein Gedanke zur Schokolade

Wie ist das denn jetzt aber mit der Schokolade? Kann sie mir nicht auch Trost schenken?

Tatsächlich macht ein bestimmter Stoff in de Schokolade uns wirklich ein wenig glücklich. Durch das in Kakao enthaltene Tryptophan kann unser Körper unser Glückshormon „Serotonin“ bilden. Und das löst Glücksgefühle in uns aus.

Ein weiterer (und vermutlich sogar gewichtigerer) Grund, warum viele von uns Schokolade mit Trost verbinden ist aber das, womit Schokolade (oder auch andere Süßigkeiten) in unserem Nervensystem verknüpft sind.

Viele von uns haben es als Kind nämlich oft erlebt, dass sie mit Süßigkeiten getröstet oder belohnt wurden. Dadurch wurde in unserem Kopf Schokolade mit Trost, oder allgemein mit einem guten Gefühl verknüpft. Und daran erinnert sich unser Nervensystem, wenn wir Trost brauchen.

In einer Situation, in der wir trostbedürftig sind wählen wir unbewusst den einfachen und bekannten Weg. Und deshalb greifen viele von uns dann – ohne nachzudenken – zur Schokolade.

Echten Trost liefert die Schokolade aber nicht. Echten Trost bekommen wir durch echtes Zuhören, durch Empathie und durch liebevolle Berührungen. Und das können wir uns tatsächlich selbst schenken. Oder vertrauten Personen sagen, dass wir genau das brauchen. Auch so sorgen wir für unser Bedürfnis.

Herzliche Grüße, Judith

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