Heute ist der 12. Mai 2022. Ein wichtiger Tag für uns Blogger*innen, denn da dokumentieren wir unseren Tag mit 12 Bilder und nehmen damit alle, die das gerne möchten, mit hinein in unseren Alltag. Gesammelt werden die Blogartikel dann bei „Draußen nur Kännchen„.

Heute ist der 12. Mai 2022. Fibromyalgie und CFS Awareness Day. Fibromyalgie und das chronische fatigue Syndrom sind zwei Diagnosen, die ich seit kurzem habe. Zusätzlich zu einem PostVac-Syndrom, LongCovid ausgelöst durch die Impfung.

Das diese zwei Tage heute zusammen fallen möchte ich nutzen, hier offen über meine Krankheiten zu schreiben. Und vor allem darüber, wie ich damit umgehe.

In meinem letzten Blogartikel habe ich über die Löffel-Theorie geschrieben. Heute zeige ich euch, wie ich diese Löffel-Theorie ganz konkret in meinem Alltag anwende.

Mein Tag startet wie jeden Wochentag um 6 Uhr. Ich wache vom Wecker auf. Ich fühle mich wie jeden Morgen seit Monaten nicht erholt. Ich bin müde, habe Schmerzen und stehe deshalb sehr langsam auf.

Mein erster Gang ist in das Zimmer eines unsrer Kinder, das schon morgens im Bett eine Tablette braucht. Ich streichle mein Kind sanft wach, nehme ihm die Zahnspange ab, reiche Tablette und Wasser und lasse es noch ein wenig weiter schlafen.

Mein zweiter Gang ist das Badezimmer. Ich bin dankbar, dass mein Mann zur Zeit das Frühstück machen übernehmen kann und ich mir langsam Zeit nehmen kann. Ich lächle meinem Spiegelbild zu. Registriere wie müde ich aussehe und verspreche mir, dass ich heute gut auf mich achten werde.

Kurz darauf ruft mein Mann. Unser Jüngster will mich ganz dringend etwas fragen. Und das geht nur oben. Also verschiebe ich meine Dusche noch ein wenig und gehe nach oben.

„Mama, kuschelst du noch mit mir?“ fragt mein süßes Kind. Ich lege mich mit ihm zusammen ins große Bett. Wir kuscheln und reden und ich würde gerne ganz lange so mit ihm liegen bleiben. Aber er hat zwei Geschwister, die pünktlich zur Schule müssen.

Wie gerne hätte ich mir ganz lange Zeit genommen mit meinem Jüngsten hier zu kuscheln.

Ich stehe wieder auf. Schaue kurz zu den zwei anderen, die heute beide auch nicht aufstehen wollen. Obwohl die Osterferien noch nicht lange her sind, fühle ich hier schon wieder eine Sehnsucht nach Ferien und Ausschlafen und faul sein. Dann folgt endlich meine Dusche. Und unter dem warmen Wasser spüre ich, das wird heute ein Tag, an dem mir wenig Löffel zur Verfügung stehen.

Irgendwann sind trotzdem alle startklar, um das Haus zu verlassen. Teilweise mit etwas speziellen Vorstellung, was die angemessene Kleidung bei dem warmen Frühlingswetter ist.

„Mama, ich will mich heute so anziehen, dass keiner mich erkennt“, beschließt mein Jüngster.

Wieder Zuhause angekommen befülle ich die Waschmaschine. Danach nehme ich mir Zeit für mich. Ein wichtiges Ritual, wenn die Kinder aus dem Haus sind ist ein Blick auf mich und meinen Tag. Wie geht es mir heute, was fühle ich? Wieviele Löffel (=Energie) habe ich heute? Und wofür brauche ich heute Löffel?

Einchecken in mich selbst. Am Besten mit geschlossenen Augen. Mich verbinden mit meinem Körper, meinen Gedanken und Gefühlen.

Heute nehme ich eine große Müdigkeit wahr. Leichte Kopfschmerzen. Schwere und schmerzende Beine. Ich merke, dass ich heute Morgen schon die meisten Löffel verbraucht habe. Es ist nicht viel übrig. Mein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung ist sehr sehr groß

Das ist da. Ich kann es für den Moment nicht ändern. Und ich durfte lernen anzunehmen wie es mir geht. Jeden Tag aufs Neue.

Ab heute Mittag werde die Kinder wieder hier sein. Für sie brauche ich Energie. Also ist es wichtig, dass ich heute Vormittag mehr neue Löffel bekomme, als ich verbrauche.

Ein wichtiger Punkt für heute ist schon erledigt. Die Waschmaschine läuft. Und die Unterhosen-Schubladen können dadurch wieder gefüllt werden.

Ein zweiter wichtiger Punkt sind Telefonate. Die werde ich später erledigen.

Alles andere muss heute nicht sein. Alles andere kann liegen bleiben. Oder ich kann es abgeben. Heute kommt unsere Haushaltshilfe, die durch den Pflegegrad eines Kindes ein oder zweimal in der Woche kommt. Dafür bin ich heute mal wieder sehr dankbar.

Also sorge ich zuerst für mein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung. Schließe nocheinmal die Augen. Höre meinem Atem zu. Atme bewusst und weit und langsam. Nehme mir Zeit. Lasse mir Zeit.

Danach gehe ich nach draußen in den Garten. Ich muss meinen Körper sehr dazu überreden. Ich weiß aber, dass ihm Sonne und leichte Bewegung gut tut wird.

Gestern habe ich Pflanzen für meinen Garten gekauft. Ich freue mich darauf sie nach und nach einzupflanzen.

Schon allein der Duft und der Anblick tut mir gut.

Ich liebe es so sehr, im Garten zu arbeiten. Das Pflanzen, Sähen, Gießen, Beobachten, Warten, Ernten. Aber auch das Ausreißen der Pflanzen, die ich nicht möchte.

Ich darf mit entscheiden, was bei mir wachsen darf und was nicht. Ich darf entscheiden, was ich ausreiße, was ich einsähe, was ich einpflanze, was ich pflege.

In meinem Garten und in meinem Leben.

Danach mache ich mir einen Tee mit Kräutern aus dem Garten und schaue ins wohltuende Grün.

Es tut gut, dass ich etwas machen konnte. Und es tut gut, meinem Körper wieder Ruhe geben zu können.

Danach sind die Telefonate dran. Beihilfe und Rehazentrum. Ich organisiere alles, was in meiner Macht steht, um möglichst bald eine ambulante Reha starten zu können. Auch hier tut es mir gut, dass ich etwas machen kann. Es gibt mir das Gefühl den Krankheiten nicht hilflos und machtlos ausgeliefert zu sein. Selbstwirksamkeit ist so wichtig.

Auch so kann Selbstfürsorge aussehen.

Meine Energie am Ende des Vormittags ist größer als am Morgen. Ich habe tatsächlich mehr Löffel bekommen als verbraucht. Und das ist so gut und so wichtig. Weil meine Kinder mich jetzt für den Übergang von Kita / Schule nach zuhause alle drei brauchen.

Das Mittagessen musste ich heute dank unsrer Haushaltshilfe nicht kochen, sondern darf mich an einen gedeckten Tisch setzten.

Meine Tochter kommt mit einer Zecke nach Hause. Alle Kinder haben Redebedarf. Still sitzen beim Essen ist nicht bei jedem möglich. Und es gibt ein kleines Süßigkeiten-Drama, weil die Oster-Körbchen schon leer gegessen sind.

Danach bin ich froh um unser Mittagspausen-Ritual. Die Situation beim Heimkommen und Mittagessen braucht bei mir eindeutig immer ein paar Löffel.

Mittagspause mit geführter Meditation. Die Kinder sind in ihren Zimmern und spielen oder hören Musik.

Der Nachmittag gehört den Kindern. Ich schaue nach Hausaufgaben. Spiele kurz Playmobil. Erinnere an Termine.

Meine Tochter hat heute Nachmittag Flötenunterricht. Sie möchte von mir begleitet werden.

„Die Tasche musst du tragen, Mama. Ich muss Rad schlagen.“

Wieder zurück werden die Hausaufgaben fertig gemacht.

Wer sagt eigentlich, dass man zum Hausaufgaben machen auf einem Stuhl sitzen soll?

Und mein Jüngster hat die neuen Pflanzen entdeckt und möchte gießen.

Hochkonzentriert, der kleine Gärtner.

Irgendwann kommen noch Freunde der Kinder vorbei. Im Garten wird gespielt und Eis geschleckt und alle genießen das schöne Wetter.

Am späten Nachmittag habe ich noch einen Termin zur Physio. Seid meine Teeniezeit bin ich regelmäßig hier. Meine Therapeutin und ich kennen und verstehen uns mittlerweile so gut und ich freue mich auf jeden Termin bei ihr.

Physio – ein für mich so wichtiger Termin, um wenigsten kurzfristig ein wenig Erleichterung zu bekommen.

Wir reden heute noch einmal über meine geplante Reha und meine neue Diagnose. Und ich höre erstaunt, dass es selbst meiner Therapeutin, die mich schon so viele Jahre kennt nicht bewusst war, wie stark und wie dauerhaft meine Schmerzen sind.

Zuhause hat mein Mann schon Abendessen gemacht. Wir essen gemeinsam, die zwei Jüngeren werden von uns ins Bett gebracht und mein Ältester setzt sich noch an seine Hausaufgaben.

Die Aufgabe: Ein Lesetagebuch am Computer schreiben.

Ich sitze mit ihm im selben Raum. Er tippt. Ich tippe.

Und ich merke wieder, wie gut es mir tut dank 12von12 immer wider so aufmerksam durch einen meiner Tage zu gehen. Ihn zu dokumentieren und zu reflektieren.

Und meine Löffel? Ein oder zwei sind noch da. Einen brauche ich jetzt noch für meinen Sohn.

Und danach freue ich mich auf ein wenig Zeit mit meinem Mann. Und auf Ruhe.

Und dir danke ich, dass du meine Worte gelesen hast. Dass du dich mit hast hineinnehmen lassen in meinen Tag. Wenn du magst lese gerne noch von ein paar anderen Tagen von mir. Oder was dich sonst noch so auf meinem Blog interessiert.

Herzliche Grüße, Judith

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