„Zeit für mich“ gibt es als Mama nicht. – Oder etwa doch?

Es gibt viele Ideen und Gedanken über das Mutter-Sein, die uns nicht gut tun.

Negative Glaubenssätze, die wir irgendwann gelernt haben. Glaubenssätze, die uns blockieren und die uns daran hindern ein erfülltes Leben zu leben.

Einer der mir häufig begegnet ist das Thema „keine Zeit für mich“.

„Ich habe drei Kinder, wann soll ich mir denn Zeit für mich nehmen?“

„Für sowas habe ich als Mama keine Zeit.“

„Klingt ja toll, ist für mich aber nicht möglich.“

Sie alle bedeuten das Eine: „Zeit für mich“ gibt es als Mama nicht.

Ich höre dieses Zeit-Argument auch so oft in Bezug auf meine Angebote für Mütter. „Judith, dein Kurs klingt so toll. Und würde mir auch gut tun. Aber ich habe dafür keine Zeit.“ Oder „Ich würde so gerne ein Coaching machen, weiß aber nicht, wann ich dafür Zeit haben soll.“

Aber stimmt das? Haben wir Mütter tatsächlich keine Zeit für uns? Können wir keine Zeit haben? Und muss das stimmen? Darf das stimmen? Warum denken das so viele Mamas?

Eins vorneweg. Ich kenne diesen Gedanken. Sehr gut. Ich habe diesen Glaubenssatz lange gelebt. Zu lange. Aber dazu später mehr.

Ich möchte mir als erstes drei Argumente anschauen, mit denen wir Mütter begründen, dass „Zeit für mich“ nicht geht.

Wann soll ich denn für mich sorgen, meine Kinder fordern mich so sehr

Dieses Argument höre und lese ich so oft. „Meine Kinder fordern mich so sehr“, „Mein Kind kann sich nicht allein beschäftigen“, „Ich muss die ganze Zeit dabei sein.“ Und in der Schlussfolgerung heißt das: „Wann soll ich denn für mich sorgen? Zeit für mich gibt es nicht.“

Glaube mir. Ich verstehe das sehr gut. Ich kenne den Alltag mit Kindern, die viel Aufmerksamkeit brauchen. Die viel Begleitung brauchen und Hilfe bei der Regulation ihrer Emotionen.

Und ja. Ich habe auch schon so oft gedacht, dass es einfach nicht geht, dass ich für mich sorge.

Mittlerweile ist mein Blick ein ganz anderer. Je mehr mein Alltag als Mutter mich fordert, desto besser muss ich für mich sorgen. Nur so habe ich die Energie, meine Aufgabe gut zu machen. Nur so kann ich wirklich Freude an meiner Aufgabe als Mama haben.

Meine Kinder haben so viele Bedürfnisse, da können meine keinen Raum haben

Und auch dieses Argument kenne ich gut.

Mit drei Kindern (und einem Mann 😉) gibt es hier bei uns sehr viele Bedürfnisse. Und alle erscheinen meist so dringend. Und außerdem habe ich ja gelernt, wie wichtig es ist, nach den Bedürfnissen meiner Kinder zu schauen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen.

Darüber habe ich nur lange den Bezug zu mir und meinen Bedürfnissen verloren. Wer bin ich überhaupt? Und was für Bedürfnisse habe ich? Und darf ich mich überhaupt um die kümmern?

Wenn wir unsere Bedürfnisse zu lange vernachlässigen, laufen wir leer. Und das macht uns traurig, erschöpft und wütend. Ich glaube viel der Wut, die wir Mütter im Alltag mit unseren Kindern spüren, hat damit zu tun, dass unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind.

Wir dürfen lernen unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen. Denn nur wenn deine Bedürfnisse erfüllt sind, kannst du auch die Bedürfnisse anderer gut erfüllen.

Aus einem leeren Brunnen kann man nicht schöpfen.

In meinem Alltag ist einfach keine Zeit für mich übrig

„Keine Zeit…“

Das kennen wir alle, oder?

Lange To-Do Listen, die nie enden. Bergeweise Aufgaben im Haushalt. Die Schmutzwäsche stapelt sich. Die Kinderzimmer sind das reinste Chaos. Das Schulkind muss noch Hausaufgaben machen.

Und vielleicht… Irgendwann… Wenn die Kinder größer sind… Oder so…

Dann… habe ich vielleicht wieder Zeit für mich.

Ganz ehrlich? Du wirst nie Zeit übrig haben. NIE. Es gibt immer viel zu tun. Die Listen werden gefühlt nicht kürzer. Selbst Rentner sind im Stress.

Nein. Wir haben keine Zeit für uns übrig. Aber wir dürfen sie uns nehmen. Jeden Tag!

„Zeit für mich“ gibt es als Mutter nicht. Oder doch?

Wie ist das jetzt also mit der „Zeit für mich“ als Mutter? Gibt es sie? Oder nicht? Muss ich sie mir nehmen? Darf ich das überhaupt? Oder was?

Vielleicht denkst du jetzt: „Judith, das klingt ja alles schön und gut. – Wenn mein Alltag mich fordert, muss ich gut für mich sorgen. –  Wir dürfen lernen unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen und zu erfüllen. – Wir dürfen uns Zeit für uns nehmen. – Theoretisch finde ich das toll. Aber wie soll das praktisch gehen?“

Meine Antwort ist gleichzeitig simpel und furchtbar schwer.

Das geht, indem wir wirklich verstehen, wie wichtig das ist, indem wir die Dringlichkeit erkennen. Und – indem wir es tun.

Ich möchte dir die Geschichte der Sauerstoff-Maske im Flugzeug erzählen. Du kennst sie bestimmt.

Vor dem Flug werden alle Fluggäste aufgeklärt, was sie im Notfall machen sollen. Den Reisenden mit Kindern wird gesagt: „Setzen Sie erst Ihre eigene Sauerstoff-Maske auf. Und erst danach ihrem Kind.“

Im ersten Moment mag das grausam klingen. Muss ich mich nicht immer zuerst um mein Kind kümmern?

Nein. Meine Verantwortung als Mutter muss sein, mich als Allererstes um mich zu kümmern. Ich muss dafür sorgen, dass es mir gut geht. Ich brauche Sauerstoff. Wenn mir die Luft ausgeht, kann ich nicht mehr für mein Kind sorgen. So einfach ist das. Und trotzdem oft so schwer umzusetzen.

Warum? Ich glaube ein Grund ist, dass viele von uns von klein auf gelernt haben, dass wir nicht egoistisch sein sollen. Dass wir uns nicht so sehr um uns kreisen sollen. Dass wir uns um andere kümmern sollen. Vor allem auf weiblich sozialisierte Menschen meiner Generation trifft das stark zu. Wir wurden durch Werbung, Filme und Geschichten von einem aufopfernden Mutterbild geprägt. Eine Mutter, die sich fröhlich lächelnd um ihre Kinder kümmert, immer alles im Griff hat und im Notfall einfach ein Päckchen Toffifee aus dem Schrank zieht.

Ich halte dieses Mutterbild für toxisch. Und ich finde es so wichtig, dass wir uns davon befreien.

Fazit: „Zeit für mich“? Ja oder Nein?

Deshalb ist mein Fazit:

Der Gedanke „Zeit für mich, gibt es als Mama nicht“, ist ein Glaubenssatz, der uns schadet. Ein Glaube, der sich irgendwann in uns festgesetzt hat, von dem wir uns aber ruhig verabschieden können.

Genau wie „Mir Zeit für mich nehmen, ist egoistisch.“ Oder „Wenn die Kinder groß sind, kann ich vielleicht wieder Zeit für mich haben.“

„Zeit für mich“, das darf auf meiner To-Do Liste ganz oben stehen. Meine Bedürfnisse dürfen für mich absolute Priorität haben. Gut für mich zu sorgen, darf für mich das Wichtigste sein.

Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Sondern mit Verantwortung mir gegenüber. Und mit Verantwortung meiner Kinder gegenüber.

In meiner Mutter-Kind-Kur wurde mir das als wichtigste Aufgabe mitgegeben. „Sie sind der Brennofen ihrer Familie. Wenn Ihr Feuer aus ist, leidet Ihre ganze Familie. Deshalb ist es Ihre wichtigste Aufgabe, sich um sich selbst zu kümmern.“

Und das möchte ich auch dir heute mitgeben: Deine wichtigste Aufgabe ist es, dich um dich zu kümmern.

DU bist wichtig! Deine Bedürfnisse sind wichtig. Du bist es wert, dass du für dich sorgst.

Hier habe ich 5 Tipps für dich, wie das auch im vollen Mama-Alltag gehen kann.

Wenn du noch Ideen brauchst, wie du ganz konkret mehr Zeit für dich bekommen kannst, empfehle ich dir diesen Text von Isabelle Bartels. Hier gibt es wunderbare Tipps von einer Mutter für Mütter, wie wir mehr Zeit für uns bekommen.

Auch Claudia Burger hat sich mit der Frage nach Zeit für mich als Mama auseinander gesetzt. Geht doch gar nicht, oder doch?

Und wenn du merkst, dass diese Sätze bei dir sehr tief sitzen, dann melde dich bei mir. Oder auch, wenn du im Dschungel deines Alltags erfolglos nach der Zeit für dich suchst. Ich freue mich, wenn ich dir dabei helfen kann diese Glaubenssätze aufzulösen und mit dir konkrete neue Schritte für dich überlegen kann.

Vielleicht darf dein neuer Satz ja auch bald heißen: „Zeit für mich? Die nehme ich mir!

Herzliche Grüße,

Judith

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