Heute ist der 12. November. Und ich nehme dich wieder mit 12 Bildern hinein in meinen Alltag.

Ganz ehrlich? Heute überlege ich immer wieder, ob ich aus meinem Tag einen Blogartikel machen will. Ob ich ihn euch zeigen, mit euch teilen will.

Warum? Weil er sich in vielen Teilen so schwer anfühlt. Weil ich mich so schwer anfühle.

Seit ein paar Tagen schon sucht in mir die Trauer ihren Weg nach draußen. Erst habe ich sie ignoriert, die Trauer. Wollte nicht hinhören auf das, was in mir ist. Habe die Verbindung zu mir unterbrochen. Dann hat sich große Unruhe gezeigt. So lange, bis ich doch hingehört habe. Und die Trauer wirklich wahrgenommen habe. Trauer um so vieles was in den letzten Monaten war. Krankheit, Verlust, Tod, Krankenhaus, Schwäche und Schmerz.

Und jetzt ist sie da. Die Trauer. Und bekommt ihren Raum. Auch heute. Und dadurch auch in diesem Text.

Wenn du möchtest bist du eingeladen mit hineinzuschauen in meinen Tag. Mit all seiner Schwere. Mit der Trauer und dem Schmerz. Und mit der Fatigue, die mich im Laufe des Tages wieder heftig trifft.

Aber auch in einen Tag voller Verbindungsmomente. Die ich im Moment wieder ganz bewusst einplane für mich. Und gleichzeitig auch mit all seinen Lichtmomenten, die sich neben der Schwere deutlich zeigen.

Ich wache auf von den Stimmen und Geräuschen in meinem Haus. Die Kinder sind schon wach und laut. Ich bin müde und will noch nicht richtig wach werden.

Die Uhr sagt mir, dass es schon nach 8 Uhr ist. Ich bin dankbar, dass die Kinder mich nicht früher geweckt haben. Und gleichzeitig fühlt es sich zu früh an.

Ich bleibe noch liegen. Nehme mir Zeit wahrzunehmen, wie es mir heute geht. Ich fühle mich schwer an. Und müde. Und mit dem nasskalten Wetter kamen auch wieder verstärkt die Schmerzen zurück, die ein paar Wochen Pause hatten.

Ich bewege mich langsam. Stelle die Beine auf. Dehne meinen Rücken. Und warte bis mein Körper bereit ist aufzustehen.

Bild 1: Einchecken in mich selbst, während ich noch im Bett liege. Mich selbst spüren. Wahrnehmen was ist.

Mein Mann ist schon unten und macht Frühstück. Ich nehme mir Zeit, um in Ruhe zu Duschen.

Diese Routine will ich für mich zurück gewinnen. Lange Zeit war meine Dusche am Morgen ein Anker, um anzukommen im Tag und um anzukommen bei mir. Durch meine Erkrankung wurde das an vielen Tagen zu anstrengend für mich.

Mittlerweile steht ein Hocker in der Dusche, der es mir ermöglicht, diesen Anker wieder für mich zurück zu gewinnen.

Ich tropfe ein paar Tropfen ätherisches Öl in die Duschwanne, stelle das warme Wasser an und setze mich hin.

Ganz bewusst atme ich den wohlriechenden Dampf ein. Nehme das warme Wasser wahr. Atme, bete, lasse meine Gedanken schweifen und komme an in meinem Tag.

Bild 2: Duschen. Im Sitzen. Mit Duft und warmen Wasser. Und mit meinen Gedanken und Gefühlen.

Meine Familie sitzt schon am Frühstückstisch, als ich komme. Das erste Kind verlässt kurz darauf Tisch und Haus, um mit unsrer Nachbarin und deren Hund spazieren zu gehen. Der Rest ist auch schon fast fertig. Heute nehme ich die Schnelligkeit um mich herum und mein Bedürfnis nach Langsamkeit extrem wahr.

Einer unserer Kater springt direkt auf meinem Schoß. Ich streichle ihn. Bin dankbar für das kleine Tier. Der die Ruhe und Langsamkeit auf mich ausstrahlt, die ich im Moment brauche.

Bild 3: Unser Kater Timmi legt sich direkt auf meinen Schoß, nachdem ich am Esstisch sitze. Seine Wärme tut mir gut.

Kurz steht die Frage im Raum, ob wir heute gemeinsam in den Gottesdienst gehen. Ich erkenne die Enttäuschung in den Augen meines Mannes, bei meinem Nein. Und diese Enttäuschung trifft einen tiefen Schmerz in mir.

Sie trifft meine eigene Enttäuschung. Meine Trauer darüber, dass so vieles, was früher selbstverständlich war, im Moment nicht geht. Und den Schmerz, den all das in mir auslöst.

Denn ja. Ich möchte wie früher einfach ganz selbstverständlich gemeinsam mit meiner Familie jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen. Aber meine Erkrankung lässt es im Moment nur selten zu. Und die Enttäuschung in den Augen meines Mannes spiegelt mein Inneres so sehr.

Ich kann nicht gut umgehen mit dem, was ich in mir wahrnehme. Und ein Streit entsteht. Ungewollt und ungut.

Ich kann sagen, dass ich für einen Moment allein sein muss. Ich brauche Raum, um dem Schmerz in mir Ausdruck zu geben. Ich weine und bete und klage. Und werde langsam wieder ruhiger.

Wir können uns nochmal Zeit nehmen in Ruhe zu reden. Die Kinder spielen i ihren Zimmern, oder sind unterwegs und brauchen uns nicht. Wie gut.

Wir sitzen zu zweit vor dem Kamin. Reden über Trauer und Schmerz und den Umgang damit. Wir bitten uns um Vergebung. Und beten gemeinsam. Ich nehme wahr, dass dafür viel zu oft, viel zu wenig Zeit da ist. Für das ehrliche Reden, das gemeinsame Schweigen und Fühlen, für das gemeinsame Beten. Aber gerade das brauche ich gerade sehr.

Bild 4: Zu zweit vor dem Kamin. Gemeinsam ins Feuer schauen. Einander anschauen. Und gemeinsam zu Gott schauen. 

Heute merke ich die Fatigue so stark. Eigentlich würde ich jetzt gern in die Küche stehen, Gemüse fürs Mittagessen schneiden, aber ich fühle mich viel zu schwach. Also bringt mein Mann die Sachen vor den Kamin. Er schält, ich schneide. Die Kinder sitzen so lange vor dem Fernseher und schauen die Sendung mit der Maus und uns wird dadurch noch mehr Zeit zum Reden geschenkt.

Bild 5: Schneiden und reden vor dem Kamin

Den Rest fürs Mittagessen übernimmt mein Mann in der Küche. Die Kinder kommen zurück ins Wohnzimmer und ich stelle dankbar fest, dass sie mich nicht brauchen, sondern gemeinsam spielen. Die Stimmung ist friedlich und ruhig. Ein Geschenk, das ich sehr bewusst wahrnehme.

Ich bleibe vor dem Kamin sitzen. Hänge meinen Gedanken nach. Spüre die Schwäche und Müdigkeit in mir. Und die Traurigkeit deswegen. Aber für diesen Moment ist es ok.

Bild 6: Monopoli ist hier gerade bei allen beliebt.

Nach dem Mittagessen ist Mittagspausenzeit. Ich lege mich ins Bett. Wähle eine Achtsamkeitsübung aus, die ich höre. Um mich mit mir und meinen Körper zu verbinden. Um meinen Gedanken zu helfen zur Ruhe zu kommen.

Bild 7: Mittagspause. Augen zu. Kopfhörer mit einer Achtsamkeitsübung auf die Ohren.

Danach gehe ich raus. Auch das ist -wie das Duschen- eins der Dinge, die ich mir zurück erobern will. Vor meiner Erkrankung war ich wenn möglich jeden Tag eine große Runde Spazieren. Am Anfang meiner Erkrankung ging das an guten Tagen immer noch. Seit meinem großen Crash im Frühling ist es kaum mehr möglich. Und ich merke, ich wünsche mir das so sehr zurück. Deshalb mache ich seit ein paar Tagen wieder jeden Tag einen Mini-Spaziergang. Mal schaffe ich es nur von der Haustür bin zum Briefkasten. Mal unsere Straße hoch und wieder runter.

Ich bin dankbar für jeden Schritt, den ich schaffe. Bin dankbar für die frische Luft, die ich einatme. Dankbar für das Tageslicht.

Ich gehe langsam und bewusst. Ich atme tief ein und aus.

Heute ist die Strecke kürzer als gestern. Aber ich war draußen. Es waren ein paar Schritte. Und das zählt.

Bild 8: Dankbar für jeden Schritt.

Am Nachmittag haben wir uns als Familie verabredet um Martinsgänse zu backen. Eigentlich unser Ritual am 11.11. Gestern war es aber aus mehreren Gründen nicht möglich.

Ich bin dankbar, dass mein Mann die Hauptarbeit übernimmt. Den Teig vorbereitet, die Ausstechformen aus dem Keller holt. Die Bleche hin und her trägt.

Die Kinder stechen aus und formen selbst. Ich bepinsel alles mit Eigelb. Und nebenher erzählen wir uns, wie das war mit St. Martin. Wer er war, was er machte, was die Gänse mit ihm zu tun haben und was wir von ihm lernen können. Wir reden über das teilen und darüber, wie wir hören können, was Gott zu uns sagt, so wie dieser Martin es erlebt hat.

Bild 9: Neben Gänsen gibt es auch noch gebackene Herzen, Sterne und ein Kreuz.

Danach merke ich deutlich, dass das Backen und reden zu anstrengend für mich war. Die Fatigue trifft mich mit voller Wucht. Mein Körper fordert Ruhe. Und ich merke, dass es mir heute sehr schwer fällt es anzunehmen. Ich sehne mich so sehr danach, wieder Energie für all diese Dinge mit meinen Kindern zu haben, die ich eigentlich so gerne mag.

Meiner Tochter fällt aber ein, dass sie nächste Woche einen Test über Martin Luther schreibt. Also beschäftigen wir uns nach St. Martin auch noch mit diesem Martin. Wir lesen gemeinsam, was alles in ihren gebastelten Buch steht. Ich stelle Fragen, sie erzählt. Und als ich eine Pause brauche, liest sie selbst noch ein wenig weiter.

Bild 10: Das Martin Luther – Lapbook

Eigentlich war der Wunsch des Jüngsten, dass mein Mann mit den Kindern noch eine Runde Laterne laufen geht, sobald es dunkel ist. Draußen regnet es aber in Strömen.

Ich schlage ihm deshalb vor, dass er es im Wohnzimmer dunkel machen soll und hier laufen und mir ein Laternenlied vorsingen soll.

Bild 11: Auch im Wohnzimmer leuchtet die Laterne wunderschön. Und ich kann gemeinsam mit meinem Sohn singen.

Später geht meine Familie noch zu einem “Feierabend” in der Gemeinde. Gemeinsames Abendessen, Lobpreis und ein kleiner Impuls ist geplant. Zuerst ist da wieder dieser Schmerz, dass ich nicht mit gehen kann. Und ich frage mich, warum es mir heute so schwer fällt, mit dem Annehmen was ist, mit dem Annehmen was nicht geht.

Vielleicht liegt es daran, dass die dunkle Jahreszeit begonnen hat und mir die Sonne fehlt. Vielleicht daran, dass es sich bald zum zweiten Mal jährt, dass ich erkrankt bin. Vielleicht daran, dass Mann so deutlich zeigt, dass er das Leben, dass wir früher hatten zurück will. Vielleicht an einer Mischung aus allem drei.

Aber als die vier das Haus verlassen merke ich, wie gut es mir tut, dass ich jetzt allein sein darf. Ja, wenn es mir besser gehen würde, wäre ich sehr gerne da, wo sie jetzt sind. Aber so, wie es mir heute geht, bin ich dankbar, dass ich auf dem Sofa bleiben darf. Ich bin dankbar für die Ruhe die einkehrt. Dankbar für das Feuer, vor dem ich sitzen darf.

Bild 12: Feuer, Ruhe, allein sein.

Zuerst sitze ich einfach nur da. Schaue zurück auf meinen Tag. Auf das was war. Auf das Gute und das Schwere. Die Trauer und das Leuchten.

Ich entscheide mich, noch einmal ganz bewusst auf die kostbaren Momente des Tages zu schauen.

Die Dusche, das Gespräch vor dem Kamin, die spielenden Kinder, der Mini-Spaziergang, das gemeinsame Backen und Reden, die leuchtende Laterne.

Und ich entscheide mich, die Schwere loszulassen, die heute so sehr auf mir liegt.

Ich atme ein. Und atme aus. Und lasse beim Ausatmen bewusst los.

Ich spüre, dass noch nicht alle Tränen in mir vergossen sind. Aber das ist ok. Wir brauchen die Trauer und die Tränen, um zu verarbeiten.

Und ich bin dankbar, dass ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Sondern dass ich einen Gott habe, der mich trägt und eine Familie, die mich hält.

Mitten hinein in diese Gedanken, noch während ich sie hier tippe, kommt meine Familie zurück. Meine Tochter erzählt mir sofort, dass da eine Frau erzählt hat, die auch krank ist, was sie mit Gott erlebt hat.

Und mein Mann drückt mir einen Zettel in die Hand mit einem Bibelvers.

Und dann steht und sitzt meine ganze Familie um mich herum. Ich werde in den Arm genommen und gehalten und mein Mann betet für mich.

Was für ein Geschenk!

Bonusbild: Diesen Bibelvers hat mein Mann mir mitgebracht.

Danke, dass du dich hast mit hinein nehmen lassen in meinen Tag.

Vielleicht möchtest du dir ja jetzt einen Moment Zeit nehmen, um auf deinen Tag zurück zu blicken.

Was war heute bei dir? Was waren deine kostbaren Momente? Was wurde dir heute geschenkt?

Und was möchtest du am Ende dieses Tages loslassen?

 

Herzliche Grüße, Judith

 

PS: Zum Schluss noch eine kleine Einladung für dich:

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