Heute mache ich wieder mit bei 12-von-12. (Im Oktober hatte ich es tatsächlich vergessen.)

Ich habe die letzten Tage immer wieder überlegt, ob ich dieses Mal wirklich mitmachen soll. Im August habe ich einen Urlaubstag mit euch geteilt. Im September einen Sonntag. Und jetzt… einen ganz normalen, langweiligen Freitag?

Dann wurde nach und nach klar, es wird nicht mal ein ganz normaler Freitag. Sondern einer mit krankem Kind, wenig Energie und Chaos. Will das wirklich jemand sehen?

Ich habe mich mit 3 meiner Blogger-Kolleginen darüber ausgetauscht. (Wiebke Schomaker, Ilka Kind und Ulrike Mayer) Und irgendwann waren wir uns einig: Ja, heute teilen wir mit euch einen ganz normalen, langweiligen Freitag. Weil wir alle ahnen, dass genau das wichtig ist.

Hier kommt also mein 12-von-12 im November. Ein Tag zwischen Erkältungsinfekt, Erschöpfung und Chaos.

Guten Morgen! Wie jeden Tag weckt mich mein Wecker um 6 Uhr. Mein Ältester und mein Jüngster liegen schon bei mir im Bett. Der Jüngste voller Energie. (Woher hat er die? Er war doch gestern krank zu Hause.) Der Älteste noch müde. Ich registriere, dass die Erkältung meiner Kinder bei mir angekommen ist. Energie ist wenig da.

Ich stehe auf. Meine Mittlere ruft nach mir. Der Jüngste will, dass ich bei ihm bleibe. Doch dann entscheiden sie sich, miteinander zu spielen. Wie schön!

Ich bringe meinem Ältesten noch seine Kleider. Und gehe dann ins Bad. Und starte meinen Tag mit einer Dusche. Erst warm. Dann kalt. Dieses Ritual hilft mir im Tag anzukommen. Und bei mir anzukommen.

Oben bei den Kindern höre ich Geschrei. Ich bleibe trotzdem unter der Dusche. Und bei mir. Ein Kind nach dem anderen kommt ins Bad. Alle wollen mir was Wichtiges sagen. Ich bleibe bei mir. Sage „Jetzt noch nicht. Gib mir noch 5 Minuten.“

Ich gehe ins Wohnzimmer. Die Kinder sind zufrieden. (Wow!) Mein Ältester schon angezogen. (Doppeltes Wow!) Ich sage ihnen, dass es mir heute nicht gut geht. Und dass ich heute ihre Mithilfe brauche. Ich merke, dass meine Tochter sich noch nicht fit ist. Und beschließe, dass wir heute beide Zuhause bleiben.

Ich richte uns ein Frühstück. Bemerke dankbar, dass mein Mann am Abend davor schon Müsli-Schalen auf den Tisch gestellt habe Telefoniere mit meiner Schule und mit der Schule meiner Kinder. Beantworte zwischendrin 100 Fragen. Bitte immer wieder darum, dass die Musik leiser gemacht wird. Helfe beim Streiten.

Und endlich sitzen wir alle am Frühstückstisch.

Ich sorge für mich mit einem Frühstück, das mir gut tut. Porridge mit Haferflocken, Mandeln, Kakao, Dattelstückchen, Kokosmilch und frischer Mango. Und eine Tasse Kaffee.

Ich schaue auf die Uhr. Helfe meinem Ältesten, dass er pünktlich zur Schule kommt. Und bin dankbar, dass er heute -nach einem krank-Tag gestern- gehen kann.

Danach helfe ich den zwei anderen. Rufe bei meinen Eltern an mit der Bitte, ob jemand bei meiner Tochter bleiben kann, während ich den Jüngsten zum Kindi bringe. (Und bin mal wieder dankbar für diese Ressource. Dass meine Eltern nur ums Eck wohnen. Und kommen können, wenn hier dringend jemand gebraucht wird.) Zähne putzen, Vesperdose aus dem Kühlschrank, Schuhe/Jacke/Mütze/Handschuhe, Rucksack auf, Mundschutz für mich, … Habe ich an alles gedacht? Wie gut, dass mein Papa jetzt kommt, um bei meiner Tochter zu sein.

Bevor mein Jüngster sich mit mir auf den Weg zum Kindi macht, gibt es noch Kaninchen-Frühstück.
Dann gehen wir gemeinsam den kurzen Weg zum Kindergarten. Durch den feuchten, kalten, nebeligen Herbstmorgen. Und ein weiteres Mal an diesem Morgen bin ich dankbar. Dafür, dass mein Jüngster heute gehen kann. Dafür, dass er so gerne geht. Und dafür, dass er fröhlich neben mir her stapft.
Auf dem Heimweg genieße ich bewusst, dass ich alleine bin. Ich gehe durch den Nebel. Bleibe stehen und schließe die Augen. Ich atme ein. Und ich atme aus. Ich verbinde mich mit meinem Atem. Ich verbinde mich mit der kalten, feuchten Luft. Ich verbinde mich mit mir. Das tut mir gut.

Zurück zu Hause warten meine Tochter mit ihrem Opa. Und der noch nicht abgeräumte Frühstückstisch. Also bringe ich gebrauchtes Geschirr in die Küche. Stelle übriges Obst in den Kühlschrank. Wische den Tisch. Und merke, wie müde ich heute bin.

Meine Tochter und ich kuscheln uns aufs Sofa. Wir sind beide schlapp. Ich lese ihr vor und sie kämmt sich die Haare.
Danach guckt sie eine Weile „Shaun das Schaf“. Während dessen lehne ich mich zurück, schreibe und lese auf Facebook und Instagram. Und schließe ein wenig die Augen. Ich bin froh, dass ich heute zuhause geblieben bin. Für meine Tochter und für mich. Mein Körper zwingt mich zur Pause.

Der Vormittag vergeht ruhig. Kuscheln, Essenspause, Lesen, Schauen, Ausruhen. Das brauchen wir beide.

Meine Tochter hilft mir beim Mittagessen machen. Sie pinselt Kartoffeln, Süßkartoffeln und Kürbis mit Öl und Gewürzen ein.

Meine Mutter bringt meinen Jüngsten. Wir essen zu dritt. Ich begleite die Kinder zur Mittagspause. Kurz danach kommt der Älteste nach Hause. Er sagt gleich, dass er eine Pause braucht. Fragt, ob er seinen Teller mit in sein Zimmer nehmen kann. Er erzählt noch kurz von seinem Vormittag und verschwindet nach oben.

Mittagspause. Auch für mich. Ich lege mich aufs Sofa. Mit Kopfhörern. Höre eine geführte Meditation und ziehe mich in mich zurück. Ich nehme mein Energietief am Mittag ernst und sorge für mich. Damit ich für meine Kinder sorgen kann.

Am Nachmittag geht mein Ältester zum Fußball Training. Die Mittlere und der Jüngste spielen zu Hause. Der Jüngste ist aufgeregt, weil er am späten Nachmittag noch zum Laternenfest im Kindi darf. Er fragt immer wieder, wann es soweit ist.

Ich räume das Mittagessen weg. Stelle die Spülmaschine an. Merke wieder, wie müde ich bin. Höre, wie die Kinder aufdrehen. Sie sind wild und laut. Brauchen jetzt eigentlich meine Begleitung. Aber mir wird plötzlich alles zu viel. Ich sehe nur noch das Chaos in unserem Haus. Sehe, wie mein Jüngster irgendwas rumschmeißt. Und fange an zu schreien.

„Immer macht ihr nur Chaos. Nie räumt hier jemand auf. Ich bin die Einzige, die hier aufräumt. Sehr ihr, wie es hier aussieht?“

Blöd. Ich weiß. Und trotzdem war es in dem Moment mein Bestes, das ich geben konnte. Manchmal ist mein Bestes eine müde, meckernde ungerechte Mama zu sein. Ist nicht schön. Aber ist so. Und ich lerne in diesen Momenten gnädig mit mir zu sein.

Nach meinem Ausbruch räumen wir zusammen auf. Ich finde es blöd, dass ich so rumgeschrien habe. Das sage ich meinen Kindern auch. Gleichzeitig ist es mir tatsächlich wichtig, dass sie mehr mithelfen beim Aufräumen.

Heute ist viel Programm. Kaum kommt mein Ältester vom Schlagzeug, darf er auch schon wieder los. Seine Fußball Mannschaft geht zusammen ins Stadion. Mein Mann kommt kurz davor nach Hause und bringt ihn hin. Mein Jüngster darf endlich los zum Laternenfest. Wir Eltern dürfen -wie schon im letzten Corona-Herbst- nicht dabei sein.

Mein Mann meine Tochter und ich essen heute also nur zu dritt zu Abend. Sie wünscht sich Toastbrot. Mein Mann und ich essen Reste vom Mittag.

Während dem Abendessen hören wir viele Schritte und Stimmen vor dem Fenster. Die Strecke des Kindergartens führt an unserem Haus vorbei. Und ich freue mich, dass ich die fröhlichen Kinder und die warmen Lichter sehen darf.

Kurz danach hole ich meinen glücklichen und müden Sohn ab. Ich bringe ihn direkt ins Bett und er schläft heute innerhalb von Minuten ein. Mein Mann bringt unsere Tochter und Bett. Der Älteste ist noch beim Fußball Spiel.

Und ich habe Zeit für eine Pause, die ich dringend brauche. Vor meinem Abendtermin. Den ich vom Sofa aus machen kann, wofür ich sehr dankbar bin.

Am Abend gebe ich noch ein Interview bei „Familien Tutor“. Wir reden über mein Herzensthema. Wie kannst du in Verbindung mit dir leben?

Ja. Ich habe überlegt, ob ich das Interview absagen soll. Weil ich nicht fit bin heute. Wenig Energie habe. Und einen Infekt. Aber ich entscheide mich bewusst dafür. Das Interview war schon im September geplant. Da hatte ich es schon abgesagt, weil wir hier alle krank waren. Heute wollte ich es machen.

Und es hat mir selbst gut getan. Über das zu reden was ich tue. Über das, was mir wichtig ist. Und ich sage im Interview das, was mir das Wichtigste ist, was „meine“ Frauen mitnehmen sollen bei mir: „Wir dürfen lernen, wie wichtig es ist gut für uns zu sorgen. Denn nur dann können wir auch gut für unsere Kinder sorgen.“ Und das sage ich nicht nur den Frauen, die mit mir arbeiten. Sondern auch mir. Immer wieder. Gerade an einem Tag wie heute.

Am Ende machen wir noch gemeinsam eine kleine Übung. Das „Einchecken in den Körper“. Und ich merke, wie gut mir das heute Abend tut.

Danach klappe ich das Tablet zu. Jetzt nehme ich mir noch Zeit für meinen Ältesten. Der mittlerweile Zuhause ist. Und noch ein wenig Mama-Zeit braucht. Und ein wenig Zeit mit meinem Mann möchte ich auch noch. Und dann geht es früh ins Bett. Schlaf ist wichtig, um meinen Energie-Tank zu füllen.

Und bei diesen letzten Zeilen merke ich, wie gut es mir getan hat, heute meinen Tag zu dokumentieren. Und dadurch bewusst und achtsam durch den Tag zu gehen. Wahrzunehmen, wofür ich dankbar bin, an diesem Tag. Wahrzunehmen wann und wie ich für mich sorge. Wahrzunehmen, wann es mir nicht gelingt. Und wahrzunehmen, wie gefüllt ein einzelner Tag ist und was ich alles leiste an so einem Tag. Selbst mit wenig Energie.

Und ich lade dich ein, auch deine Tage bewusst wahrzunehmen. Gehe einmal achtsam durch deinen Tag. Nimm wahr, wofür du dankbar bist. Nimm wahr, was anstrengend ist. Und nimm wahr, was du an einem einzelnen Tag leistest. Ich wette, das ist richtig viel!

Herzliche Grüße,

Judith

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