„Sag mal Judith, hast du Tipps, wie man bei sich bleiben kann, wenn man an der Situation nichts ändern kann? Ich hab in 10 Tagen Abschlussprüfung – seit 2 Wochen schon bin ich immer unter Strom, immer leicht panisch, blockiere mich damit selbst. Mein Körper schreit mich praktisch an, dass ich ne Auszeit brauche (Herzrasen, immer wieder wie kurz vorm Hyperventilieren, Gewichtsverlust, Anspannung, Schwindel…), aber ich hab das Gefühl, selbst schlafen ist verschwendete Lernzeit. Ich verliere mich irgendwie grad selbst in dieser Angst. (Von der Verbindung zu den Kinder mal ganz zu schweigen.)“

Diese Frage wurde mir in meiner Facebook-Gruppe gestellt. Und nachdem ich mit der Frau im Austausch war und meine Notfallstrategien mit ihr geteilt habe, wurde klar: Dieses Thema ist ein eigener Blogartikel wert.

Zuerst einmal: Was passiert in diesen Situationen mit uns?
Unser Körper kann – aus unterschiedlichen Gründen – in so eine Notreaktion geraten. Er sendet uns Signale, die alle das Eine sagen: „Hilfe! Hier stimmt gerade etwas nicht!“. Ausgelöst wird diese Reaktion in der Regel durch Stress. Ob dies nun Termin-Stress, körperlicher Stress, emotionaler Stress, oder etwas ganz anderes ist, ist dabei nebensächlich. Was passiert ist, dass wir plötzlich in unseren Emotionen festhängen. Jegliche rationale Gedanken kommen nicht mehr bei uns an. Das liegt daran, dass in diesem Moment unsere rechte Gehirnhälfte, die unter anderem für unsere Emotionen zuständig ist überaktiv ist. Die linke Gehirnhälfte, die unter anderem für das logische Denken zuständig ist dafür zu wenig. Und die Verknüpfung der beiden Gehirnhälften ist durch den Stress wie blockiert oder verstopft.
Was wir in diesen Situationen brauchen sind also Strategien, wie wir die linke Gehirnhälfte wieder aktivieren können. Und Strategien, wie die Verstopfung zwischen den Hirnhälften wieder aufgelöst wird. Denn nur, wenn der Austausch zwischen beiden Hirnhälften mühelos funktioniert, können wir Stresssituationen gut verarbeiten.
Deshalb habe ich jetzt hier 5 Notfallstrategien, um deine Hirnhäften wieder zu verbinden und in Stress-Situationen wieder mit dir in Verbindung zu kommen:

Notfallstrategie 1: Singen

Beim Singen werden automatisch beide Hirnhälften aktiviert. Die Linke durch den Text. Die Rechte durch die Melodie. Dabei ist es absolut nicht wichtig, dass du schön singst, oder richtig. Solange dein Lied einen Text und eine Melodie hat, ist das absolut ausreichend. Du kannst dir auch eine Musik anmachen, die du magst und da mitsingen.

Wenn du ein Instrument spielen kannst, ist das auch eine Alternative.

Notfallstrategie 2: Malen

Male dein Gefühl auf und beschrifte es anschließend. Durch die Worte wird deine linke Hirnhälfte aktiviert, durch das Bild deine Rechte. Und du sortierst deine Gefühle beim Malen.

Notfallstrategie 3: Schreiben

Schreibe deine Gedanken und Gefühle auf. Am Besten in Schönschrift. Durch die Worte wird wieder deine linke Hirnhälfte aktiviert. Durch die grafische Darstellung deine Rechte. Und auch beim Schreiben kannst du, wie beim Malen, deine Gedanken und Gefühle sortieren.

Notfallstrategie 4: Rückwärts zählen

Zähle von 10 rückwärts, oder stelle dir leichte Matheaufgaben. Dadurch wird deine linke Hirnhälfte aktiviert. Jetzt stelle dir noch jeder Zahl in einer anderen Farbe vor. Dadurch aktivierst du wieder die rechte.

Notfallstrategie 5: Gehen

Durch die wechselnde links-rechts-Bewegung wird abwechselnd die rechte und die linke Hirnhälfte aktiviert. Das funktioniert auch, wenn du nur auf der Stelle gehst, abwechseln deine rechte und linke Schulter tappst oder abwechselnd dein linkes und rechtes Bein anspannst. Ein Spaziergang ist aber natürlich schöner.

Probiere sie aus!

Jetzt bist du dran. Packe diese Strategien in deinen Notfallkoffer und teste sie aus. Welche hilft dir am Besten?

Und übrigens: Diese Notfallstrategien helfen natürlich nicht nur dir, sondern auch deinem Kind. Vielleicht denkst du beim nächsten emotionalen Ausnahmezustand ja daran.

Herzliche Grüße,

Judith

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