Heute ist der 12. April. Und seit ich Bloggerin bin bedeutet das, dass ich an diesem Tag viele Fotos mach, um am Ende des Tages 12 davon auszuwählen und einen Blogartikel aus ihnen zu machen.

Ich bin nicht die Einzige, die das macht. Jeden Monat werden bei „Draußen nur Kännchen“ viele, viele 12von12-Artikel gesammelt. Schau gerne mal dort vorbei.

Für mich ist es immer wieder eine Besonderheit so bewusst und achtsam durch den Tag zu gehen. Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? Was sind einzelne Stationen in meinem Tag? Was macht meinen Tag aus? Und wie lässt sich aus 12 Bildern die Geschichte dieses Tages erzählen.

Heute ist es mir tatsächlich schwer gefallen. Das liegt daran, dass es mir im Moment nicht leicht fällt meinen Alltag so anzunehmen und zu zeigen wie er ist.

Seit vier Monaten bin ich krankgeschrieben. Es gibt seit dem bessere und schlechtere Tage. Im Moment bin ich bei den schlechteren. Meinem Körper geht es nicht gut. Und mittlerweile sind auch meine Gedanken und Gefühle nicht mehr so positiv und leicht wie in den ersten Wochen dieser langen Krankheitsphase.

In mir hat sich etwas verändert. Während ich am Anfang die Situation noch einfach angenommen habe wie sie ist, will ich jetzt etwas ändern. Ich will etwas tun, weiß aber den Weg noch nicht. Und gleichzeitig mischt sich die Angst dazu, dass es nichts gibt, was ich tun kann.

Die Gefühle meines Tages sind Erschöpfung, Traurigkeit, Enttäuschung, Sorge, Frust. Aber auch Dankbarkeit, Freude, Liebe, Hoffnung und Vertrauen.

Das alles darf sein. Es gehört im Moment zu meinem Leben dazu. Die Gefühle wechseln sich ab und sind manchmal auch gleichzeitig da.

Und über allem steht die Gewissheit: Ich bin nicht allein. Und es gibt einen guten Weg für mich und mein Leben.

Aber jetzt meine 12 Bilder aus meinem Tag.

Der Tag startet heute noch einmal um 6Uhr. Die zwei Schulkinder haben heute den letzten Schultag vor den Osterferien.

Mein Mann geht zur Zeit jeden Morgen zur ambulanten Reha. Er startet deutlich später als zur Arbeit. Dadurch hat er das Frühstück machen übernommen und wir können jeden Morgen zu fünft frühstücken. Das macht mich dankbar.

Frühstück. Unter der Woche obligatorisch mit verschiedenen Müsli Varianten.

Heute Morgen sind alle müde. Die Schulkinder freuen sich, dass sie morgen länger schlafen dürfen und endlich Ferien sind.

Nachdem die Schulkinder aus dem Haus sind, bringe ich den Jüngsten in den Kindergarten. Seit Neuestem dürfen wir Eltern morgens wieder ins Haus. Das gab es seit zwei Jahren nicht mehr. Mein Sohn kann sich kaum mehr daran erinnern und freut sich riesig, dass ich mit ihm an den Garderoben-Platz und zum Händewaschen gehe.

Zuhause reicht die Zeit noch für einen Kaffee und ein kurzes Gespräch mit meinem Mann. Mittlerweile ist es fast schon normal, dass es so ist. Es gehört zu unserem neuen Alltag. Ich will es aber weiterhin als Geschenk mitten in der Krise annehmen.

Neue Morgenroutine: Gemeinsamer kurzer Kaffee, wenn alle Kinder aus dem Haus sind.

Außerdem gehört zu meinem neuen Alltag, dass ich nach nicht einmal drei Stunden wach sein schon die erste Pause brauche. Mein Körper erinnert mich daran, dass es einen Grund hat, warum ich krankgeschrieben bin. Ich höre auf ihn und sorge für mich.

Sofa-Pause: Ich übe mich tagtäglich darin gnädig und liebevoll und geduldig mit meinem Körper zu sein.

Etwas das ich sehr lernen darf in dieser langen Krankheitsphase ist, neue Routinen zu entwickeln. Und gleichzeitig zu lernen auf meinen Körper zu hören, wenn Routinen nicht mehr funktionieren.

Körperübungen, Atmen, Stille, Beten.

Eigentlich Teil meiner Morgenroutine. Morgens, vor dem Frühstück. Die Energie und Ruhe habe ich im Moment morgens nicht. Deshalb beschränke ich mich da gerade darauf, in Ruhe und lange im Bad sein und zu Duschen, während  mein Mann das Frühstück macht.

Und meine eigentliche Morgenroutine mache ich wenn möglich irgendwann am Vormittag. Ich muss mich oft sehr dazu überwinden. Obwohl ich weiß, dass es mir gut tut. Und bin immer froh, wenn ich mir die Zeit genommen habe.

Dann kommt ein Blick auf die To-Do-Liste des Tages. Bewusst klein gehalten und an meinen Energiehaushalt angepasst.

Ein paar wichtige Telefonate stehen darauf. Und ein wenig Haushalt.

Die Telefonate fallen mir nicht leicht. Sind aber wichtig. Also mache ich die zuerst. Und setze mich mit Kaffee, Schreibzeug und Telefon in die Sonne.

Telefonate mit LBV und privater Krankenversicherung.

Nach dem ich mit mehreren Menschen telefoniert habe, bin ich frustriert… Wirklich helfen kann mir bei meinen Fragen scheinbar niemand. Ich werde von einer Person zur anderen weiter gereicht. Und mir wird so langsam klar, dass ich zwar theoretisch gut abgesichert bin, im Ernstfall aber scheinbar niemand zuständig sein will.

Ich fühle mich allein gelassen. Von Arbeitsgeber, Versicherungen und… vor allem vom System. Das frustriert mich und entäuscht mich.

Ich telefoniere mit meinem Mann und ihm von meinem Frust zu erzählen. Dann atme ich tief durch. Ich möchte mich nicht vom Frust leiten lassen. Ich möchte einen Weg finden. Für mich. Einen Weg, wie es weitergeht. Eine Tür, durch die ich gegen kann.

Danach kümmere ich mich um die Wäsche. Räume ein wenig auf. Viel geht nicht, weil mein Körper mir schon wieder zeigt, dass er bald eine Pause braucht.

Um 12.15 hole ich meinen Sohn vom Kindergarten ab. Gemeinsam gehen wir den kurzen Weg durch den Sonnenschein.

Zur Begrüßung schenkt mein Sohn mir mit einem strahlenden Lächeln ein paar Gänseblümchen.

Zuhause muss ich kein Mittagessen kochen. Heute Mittag habe ich Unterstützung von der Familienpflege. Eins unsrer Kinder hat einen Pflegegrad. Darüber bekommen wir 1-2 mal in der Woche Unterstützung.

Ich kann also mit meinem Sohn und meiner Tochter, die kurz danach kommt Zeit in der Sonne genießen.

Was für ein großes Geschenk!

An Schultagen essen wir meistens in Etappen. Der Älteste kommt erst nach Hause, wenn die anderen schon fertig sind. Das tut uns als Familie gut. Ich habe dadurch für jedes Kind mehr Zeit und Ruhe.

Danach ist Mittagspause dran. Die Kinder sind in ihren Zimmern, hören CD, lesen, spielen. Ich lege mich hin, schließe die Augen mit einer Meditation auf den Ohren.

So wichtig. So wertvoll.

Danach braucht mich abwechselnd ein Kind nach dem anderen. Am frühen Nachmittag kommt mein Mann nach Hause. Und auch das ist ein Geschenk in unsrem Leben im Moment. Die viele Zeit, die wir miteinander haben. Die vielen Momente.

Kaffee-Pause zu zweit in der Sonne. So wertvoll.

Danach fährt mein Mann mit den Jungs mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Meine Tochter trifft sich mit einer Freundin. Und ich sorge für mich.

Mein ganzer Körper schmerzt. Ich lege mich aufs Sofa. Höre auf ihn, auch wenn ich es viel lieber anders hätte.

Dankbar für die Pause.

Später gehe ich nocheinmal raus zu den Kindern, die mittlerweile alle wieder da sind. Wir genießen die späte Nachmittagssonne.

Meine Tochter übt Radschlagen.

Es ist Abend. Ich bin müde. Die Kinder auch. Beim Abendessen würden am liebsten zwei von ihnen auf meinem Schoß sitzen. Dafür ist der aber nicht groß genug. Ich sortiere wer mich wann braucht. Begleite erst eins, dann das zweite Kind in den Schlaf.

Der Älteste will noch Fußball schauen und erklärt sich bereit kurz als Babysitter für die zwei schlafenden Geschwister zu fungieren. So dass mein Mann und ich eine kleine Runde laufen können.

Unsere Gespräche sind schwer. Die Sorgen kommen hoch. Unser Leben ist so unsicher geworden. Und immer wieder suchen wir Halt. Mir fällt es leichter zu vertrauen, dass alles gut wird. Dass das Leben es gut mit uns meint. Und dass wir versorgt sind.

Ich möchte von meinem Vertrauen abgeben. Es größer machen. Und ein Stück gelingt mir das auch.

Danach setzen wir uns noch zu unserem Sohn vor den Fernseher. Verbringen Zeit mit ihm und seiner Leidenschaft. Und nebenbei schreibe ich diese Worte.

Zeit mit meinem Fußball Fan. Für ihn interessiere ich mich für Dinge, die mich ohne ihn nicht interessieren würden.

Danach gehe ich ins Bett. Und spüre noch einmal die Gefühle dieses Tages:

Erschöpfung, Traurigkeit, Enttäuschung, Sorge, Frust. Aber auch Dankbarkeit, Freude, Liebe, Hoffnung und Vertrauen.

Ich nehme sie war. Ich nehme sie an. Sie alle dürfen sein.

Und gleichzeitig sehne ich mich nach Tagen, in denen die Leichtigkeit wieder das vorherschende Gefühl ist. Aber ich nehme es an, wie es jetzt ist. Die Schwere, die ich im Moment spüre ist da. Und ich vertraue darauf, dass sie sich zur richtigen Zeit auflösen wird.

Ich glaube daran, dass alles seine Zeit hat. Und dass aus jeder Situation etwas Wertvolles wachsen kann. Auch aus dieser.

Und das möchte ich dir mitgeben, falls du gerade auch eine schwere Zeit hast: Irgendwann ist auch wieder die Zeit des Blühens und die Zeit der Ernte. Und dann wird aus der jetzigen Zeit etwas Wertvolles wachsen.

Herzliche Grüße, Judith

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