Einblicke in einen Tag, an dem ich keine Lust auf Verbindung hatte. Sie aber dann doch noch gefunden habe.

‚OK…‘, registriere ich beim Mittagessen. ‚Meine Tochter hat heute schlechte Laune.‘ Sie motzt. Und schreit. Und beschwert sich. Sie will Nudeln. Jetzt sofort. Und Käse. Aber nicht so. Sondern anders. Und überhaupt…

Ich seufzte… Ich habe keine Lust auf schlechte Laune. Ich bin im Moment so erholungsbedürftig. Sehne mich nach Ruhe und Harmonie am Esstisch. Und nicht nach Motzen und Maulen. Schlechte Laune kann ich nicht gut aushalten, wenn ich selbst nicht in meiner Kraft bin. Und ich merke, wie ich mich ein Stück weit innerlich von meinem Kind entferne. Ungewollt. Ungeplant. Aber es passiert.

Die schlechte Laune meiner Tochter bleibt bestehen. Es gibt Streit am Nachmittag mit den Brüdern. Es gibt viele Tränen und großes Geschrei. Und ich kann heute nicht gut begleiten. Erwische mich bei dem Gedanken, dass sie jetzt doch endlich ruhig und zufrieden sein soll. Ist sie aber nicht.

Am Abend noch mehr Tränen, noch mehr Geschrei. Ich bin da, tröste, beruhige, … Aber merke: So richtig bei meiner Tochter bin ich innerlich nicht. Und irgendwie: Ich habe heute auch keine Lust dazu. Es erscheint mir zu anstrengend.

Irgendwann überlasse ich die Kinder meinem Mann. Und gehe zu meinem liebsten Rückzugsort. (Pssst… Das ist das Klo. 😉) Ich genieße die Ruhe… Bis wieder das Geschrei meiner Tochter in mein Ohr trifft. Begleitet von Hämmern gegen die Tür. Etwas in mir will dieses Geräusch ignorieren. Aber…

Ich seufze… Atme tief ein – und wieder aus. Öffne die Tür. Und nehme meine Tochter in den Arm. Wir setzten uns auf den Boden. Sie auf meinem Schoß. Und das erste Mal an diesem Tag, nehme ich sie wirklich wahr. „Sch… Ich bin da“, sage ich leise und wiege sie in meinem Arm. „Was ist denn los mein Schatz?“ – „Alle sind gemein zu mir!“ bricht es aus meiner Tochter heraus. „Oh nein“, sage ich. Und frage nach: „Wer sind denn alle?“ – Und dann kommt ein ganzer Schwall aus meiner Tochter heraus. Von einem blöden Streit im Hort. Von Kindern, die sie nicht haben mitspielen lassen. Von Kindern, die sich beschweren, weil sie auf sie warten müssen. Von Brüdern, von denen sie sich auch ausgeschlossen fühlt. Und sie weint. Und ich nehme sie wahr. Und wir fühlen uns miteinander verbunden.

Und da wird es auf einmal ruhiger in meinem Kind. Sie merkt, dass ich sie höre. Dass mich das, was sie mir erzählt interessiert. Dass es mir wichtig ist, wie es ihr geht. Wir finden keine Lösung für ihr Problem. Aber wir stellen gemeinsam fest, dass das ein furchtbar anstrengender Tag für sie war. Und allein dadurch wird der Tag schon ein wenig leichter.

Wir bringen den Tag noch gut zu Ende. Meine Tochter sucht weiter nach Verbindung mit mir. Wir kuscheln noch lange zusammen in ihrem Bett, bevor sie einschlafen kann. Sie möchte wissen, ob ich das als Kind auch mal erlebt habe, dass andere Kinder gemein zu mir waren. Und ich erzähle ihr von mir. Von blöden Situationen, an die ich mich erinnere. Und danach erinnern wir uns noch gemeinsam an schöne Situationen. Und dann kann sie in Ruhe einschlafen.

Ich bleibe noch eine Weile neben ihr liegen. Und denke nach. Darüber, was für einen Unterschied es macht, mit welchem Blick ich auf mein Kind schaue. Darüber, was für einen Unterschied es macht, ob ich mit meinem Kind in Verbindung bin oder nicht. Und darüber, dass ich meine Kinder so gern vor allem Schlechten bewahren würde. Und gleichzeitig weiß ich, dass dass nicht geht. Und vermutlich ist es auch gar nicht nötig. Wichtig ist, dass wir für unsere Kinder da sind, wenn sie etwas Blödes erlebt haben. Wenn sie traurig, verletzt, wütend oder enttäuscht sind. Wichtig ist, dass sie sich uns gegenüber öffnen können, um uns zu erzählen, was sie bedrückt. Und dafür ist es wichtig, dass wir offen sind. Offen für unser Kind. Es ist wichtig, dass wir uns verbinden mit unserem Kind. Denn wenn wir uns verbinden spürt es: Hier darf ich sein. Hier kann ich mich fallen lassen. Denn hier ist jemand, der mich auffängt.

Ich wünsche dir, dass du die Verbindung zu deinem Kind immer findest, wenn es das braucht. Auch wenn es Mal ein bisschen länger dauert – so wie bei mir.

Herzliche Grüße,

Judith

 

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