Durch Achtsamkeit zur Verbindung: Ein Einblick in meinen Alltag

Es gibt so Tage, die fühlen sich von Anfang nicht passend an.

So auch heute Morgen: Ich wache auf mit einem bekannten Ziehen im Bauch. Ich stehe auf. Mit schweren Beinen. Und der Gang auf die Toilette bringt Gewissheit, dass heute ein langsamer Gang angesagt ist. 

Ich gehe runter. Die Kinder schlafen noch (hurra!). Ich nehme mir Zeit für eine ausgiebige Dusche. Mache mir einen Tee. Nehme mir dann mein Losungsbuch und mein Notizbuch. Ich lese, schreibe, bete. – Und höre wie es oben schreit.

Alle drei Kinder sind nach dem Aufwachen in mein Bett. Es war wohl eine Zeitlang für alle gut. Dann gab es Streit. Mit Zwicken und Hauen und Tränen.

Ich merke, dass ich heute nicht in meiner Mitte bin. Und das wenig Geduld da ist, diesen Streit zu begleiten. Ich versuche es trotzdem. Mit mäßigem Erfolg.

Irgendwann sitzen aber alle am Frühstückstisch. Der Jüngste ist bald bereit für den Kindergarten. Die Mittlere bereit für den Hort. Der Älteste bringt beide hin. Danke!

Ich lege mich direkt nochmal aufs Sofa. Merke, dass mich meine Beine heute kaum tragen. Sehne mich nach einem faulen Tag. Nur ich und mein Sofa. (Und mein Tablet, den Bloggen wird gerade zu meiner neuen Me-Time! 😊)

Für meinen Ältesten steht heute Vormittag wieder ein Ferienprogramm von der Firma des Papas auf dem Programm. Es gibt ein Videotreffen und eine virtuelle Führung durch einen Teil der Firma. Danach gibt es eine Aufgabe. Heute: Kuchen zu backen. Das Rezept wurde im Vorfeld ausgesucht und ein Paket mit den Zutaten zugeschickt. Die Mittlere hat sich dieses Programm auch ausgesucht. Will aber lieber heute Nachmittag backen und ist jetzt zum Programm im Hort.

Das Ferienprogramm ist eine tolle Idee. Bedeutet aber auch, dass ich trotz Schmerzen und Müdigkeit mit meinem Sohn in der Küche stehe und mit ihm zusammen backe. Ganz allein möchte er nicht. Es macht Spaß. Ist aber gleichzeitig anstrengend. Der Kuchen soll noch im Stil der Firma dekoriert und dann fotografiert werden.

Mein Ältester gibt sich Mühe. Und ist stolz auf sein Ergebnis. Und freut sich riesig, dass es heute Kuchen zum Mittagessen gibt.

Fantaschnitten, mit dem Logo der Firma verziert.

Mein Mama-Hirn möchte auf jeden Fall noch was Gesundes vor dem Kuchen. Also mache ich einen Rohkost-Salat. Schneide einen Rohkost- und Obst-Teller und stelle noch gekochte Eier dazu.

Dann sind alle da. Wir sitzen am Esstisch. Jeder knabbert ein wenig Rohkost. Mein Ältester will nach einer winzigen Portion Salat seinen Kuchen servieren. Ich will, dass der Jüngste seinen Salat vorher noch zu Ende isst.

Der Älteste geht trotzdem schon in die Küche. Er nimmt ein Tablett, stellt kleine Teller darauf, geht zum Kühlschrank und will mit einer Hand das Brett mit dem Kuchen von ganz oben aus dem Kühlschrank holen, während er auf der anderen Hand das Tablett mit den Tellern balanciert.

Ich sehe es kommen. Bin aber heute viel zu langsam. Kann nicht reagieren. Und dann ist es schon passiert. Das Tablett liegt inmitten von Teller-Scherben auf dem Boden. Das Brett mit den Küchenstücken konnte er noch schräg auffangen. Nur ein Stück landet im Kühlschrank.

Und ich beginne zu weinen. Mir ist das heute zu viel. Und ich sage lauter blöde Sätze wie „Ich habe dich gesagt, dass du warten sollst.“ „Warum kannst du nicht langsam machen?“ Ich kratze das verunglückte Stück aus dem Kühlschrank und lege es zu den anderen.

Die Stimmung ist gedrückt. Ich motze trotzdem weiter. „Außerdem wollte ich, dass dein kleiner Bruder erst seinen Salat auf isst. Jetzt will er den klar nicht mehr, wenn der Kuchen auf dem Tisch steht.“ Mein Ältester versucht es zu retten. Will seinen Bruder überreden doch noch seinen Salat zu essen. Der will natürlich nicht. Mir ist das mittlerweile auch egal.

Der Jüngste und die Mittlere essen den Kuchen. Er schmeckt. Ich esse auch ein Stück. Mein Ältester beschließt jetzt nur noch Salat zu essen. Der Kuchen ist doof. Und er mag eh keinen Kuchen. Und sowieso ist jetzt alles doof.

Ich merke, dass vor allem mein Verhalten doof war. Und dass es schlimm war für meinen Ältesten, dass ihm so viel runter gefallen ist und ich dann auch noch doof gemotzt habe. Also ist jetzt sein Kuchen doof. Mir tut es leid. Ich finde aber nicht die richtige Worte.

Dann fängt meine Mittlere an und überlegt, wie sie ihren Kuchen heute Nachmittag verzieren will. Ich verbessere sie „Deine Muffins…“ Da beginnt sie zu schreien, warum ihr Bruder Kuchen backen darf und sie nur Muffins. Das ist ungerecht. Ich antworte leicht gereizt, dass sie sich doch Schoko-Bananen-Muffins ausgesucht hat. „Nein! Habe ich nicht! Die mag ich gar nicht!“ Es ist ein Drama. Und ich habe keine Kraft für Drama. Es nervt mich. Und ich bin traurig, weil alles doof wurde, was doch eigentlich schön sein sollte.

Ich schicke alle hoch in ihr Zimmer. Zur Mittagspause. Will nur noch meine Ruhe. Auf dem Weg nach oben motzt meine Mittlere immer noch weiter wegen den Muffins. Ich motze zurück, dass ich es nicht ändern kann. Ich kann nicht ändern, dass der Älteste seinen Kuchen und die Teller runterschmeißt und ich kann nicht ändern, dass sie sich das falsche Rezept ausgesucht hat. Ich kann nicht alles retten. Noch während ich motze merke ich, dass das schon wieder doof ist. Ich kann mich aber nicht gut bremsen. Ich brauche eine Pause.

Die Kinder gehen in ihre Zimmer. Ich sage grummelig „Tschüss, ich brauch jetzt eine Pause.“ Und gehe. Ohne vorher noch jemand eine CD anzumachen, wie ich das normalerweise tue. Noch beim Gehen höre ich, wie meine Mittlere laut los weint. Ich will es aber nicht hören. Weil ich selber weine.

Ich gehe runter. Sehe das Chaos in der Küche. Denke „Scheiße, heute ist nicht mein Tag.“ Ich putze die Kuchencreme aus dem Kühlschrank, sammle die restlichen Tellerscherben ein, räume Kuchenreste in den Kühlschrank. Und komme langsam zur Ruhe.

Meine Mittlere weint oben immer noch. Ich atme tief durch und nehme mir einen Moment, um bei mir anzukommen. Dann gehe ich hoch.

Das Bild im Zimmer meiner Mittleren rührt mich zu Tränen. Sie liegt auf dem Sofa und weint. Ihr großer Bruder kniet neben ihr und streichelt sie. Ich höre wie sie sagt „Und Mama hat mir nicht mal eine CD angemacht.“

Da entdecken mich die zwei. Mein Sohn steht auf. Ein breites Lächeln geht über sein Gesicht. Gleichzeitig kommen ihm die Tränen. Er fällt mir um den Hals. Ich setzte mich auf das Sofa, ziehe meine weinende Tochter auch noch in meinen Arm und dann weinen wir zu dritt.

Irgendwann sage ich: „Es tut mir leid. Ich habe mich gerade richtig doof verhalten. Ich fühle mich heute doof. Aber da könnt ihr nichts dafür.“

Wir sitzen noch eine ganze Weile so da. Dann kommt auch der Jüngste dazu. Der will aber nicht in den Arm, sondern lieber mit dem großen Bruder spielen. Die zwei gehen in sein Zimmer. Ich bleibe mit meiner Tochter im Arm zurück. Sie weint noch immer. Aber nur ganz leise. Und sie beschließt, dass ich nicht mehr von ihr weg darf.

Ich bin noch immer müde. Und nicht ganz bei mir. Und erinnere mich endlich an die Achtsamkeitsübung, zu der ich erst heute Morgen eine Anleitung geschrieben habe. Verrückt, dass mir die nicht früher eingefallen ist. Aber jetzt ist sie da. Und ich fange an.

Ich atme drei Mal ganz bewusst tief ein und aus. Und konzentriere mich dann auf meine fünf Sinne. Auf einen nach dem anderen. Ganz in Ruhe.

Ich sehe – ein pinkes Regal, eine goldene Krone im Regal, ein Puppenkleiderbügel, die Leiter vom Stockbett, ein Bilderbuch.

Ich höre – das leise Weinen meiner Tochter, das Reden der Jungs, ein Auto draußen, eine Fliege.

Ich spüre – das Sofa unter mir, den Körper meiner Tochter in meinem Arm, den weichen Teppich unter meinen Füßen.

Ich rieche – die Haare meiner Tochter, die Kuchenreste an ihren Fingern.

Ich schmecke – den Geschmack vom Kuchen in meinem Mund.

Ich atme. Und merke, dass ich ruhiger bin. Dass ich bei mir bin. Und bei meiner Tochter. Und auch sie ist ruhiger geworden.

Und jetzt? Wie geht er weiter, so ein Tag.

Mir geht es immer noch nicht gut. Die Energie fehlt, ich habe Schmerzen. Aber trotzdem geht es mir besser. Ich bin wieder hier. Bei mir. Und ich bin in meinem Tag angekommenen. Einem Tag, der Ruhe fordert und der das auch darf.

Ich überlege mit meiner Tochter, wie ich Pause machen und trotzdem bei ihr sein kann. Sie schlägt vor, dass ich in ihr Bett liegen kann, während sie CD hört. Danach will sie doch noch die Muffins backen. Der kleine Bruder will helfen. Und sie hält das aus. Obwohl sie erst nicht will. Der große Bruder unterstützt.

Und als die Muffins im Ofen sind beschließen meine drei zusammen rauszugehen. Und ich kann auf dem Sofa liegen, meinem Körper die Ruhe geben, die er heute braucht und nachdenken. Darüber wie einfach es ist, mit kleinen Übungen wieder zu sich zu kommen. Und wie schwer es manchmal ist, daran zu denken.

Aber heute habe ich daran gedacht. Irgendwann. Und das ist gut. Und ich darf mich darüber freuen.

Und jetzt schließe ich noch ein paar Minuten die Augen. Bis meine Kinder wieder zurück kommen. Und ich vermute, zum Abendessen gibt es heute wieder Kuchen. Und Muffins. Dieses Mal dann ohne Scherben.

Schoko-Bananen-Muffins meiner Tochter. Mit Firmen-Logo. Und sie haben doch geschmeckt. Hurra!

Ich wünsche dir, dass du achtsam mit dir und deinen Kindern umgehen kannst. Gerade an Tagen, die sich von Anfang an nicht passend anfühlen. Denn Achtsamkeit kann uns helfen, im Tag anzukommen.

Herzliche Grüße,

Judith 💛✨

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