Heute nehme ich euch wieder mit in einen meiner Tage. Ich zeige euch heute einen normalen Alltag einer chronisch kranken Mama. Es fällt mir tatsächlich nicht leicht, das so zu schreiben. Aber so ist es.

Ich habe seid meiner Jugend chronische Rückenschmerzen. Ich habe ADHS. Ich habe Fibromyalgie. Und ich habe das Post-Vac-Syndrom. Kennst du nicht? Gibt es auch erst seid kurzem. Und ist ein Begriff für eine Symptom-Sammlung nach der Corona Impfung. Das Hauptsymptom ist Fatigue.

Wichtig ist mir, trotz meiner vielen Diagnosen ein erfülltes Leben zu haben. Trotzdem dankbar zu sein. Trotzdem glücklich.

Und wichtig ist mir anderen Mut zu machen, das genau das geht. Und sichtbarer zu machen, wie es Menschen mit unsichtbaren chronischen Erkrankungen geht.

Und jetzt komm mit in meinen Dienstag, den 12. Juli 2022:

Guten Morgen Dienstag!

Kurz vor 8 Uhr. Ich genieße einen warmen Kaffee in Ruhe. Spüre die Wärme. Atme den Duft ein.

Heute habe ich sehr wenig Löffel (=Energie). Und leider einige Termine. Zwischen den Terminen ist es deshalb besonders wichtig sehr gut für mich zu sorgen. (Du weißt nicht, was ich mit „Löffeln“ meine? Dann les gerne meinen Blogartikel zur Löffel-Theorie.)

Was vor diesem Foto schon passiert ist:

  • Ich wache müde und mit Schmerzen auf. Wie jeden Morgen seid über einem halben Jahr.
  • Trotzdem entscheide ich mich dafür, dass heute ein guter Tag werden darf.
  • Alle Kinder schlafen heute ein wenig länger. Ich kann also allein und in Ruhe aufstehen.
  • Mein Ältester muss geweckt werden. Die Motivation aufzustehen und zur Schule zu gehen ist sehr, sehr klein. Ich schenke ihm Zuwendung und Verständnis. Massiere ihm den Rücken. Überrede ihn aufzustehen. Richte ihm sein Müsli-Schälchen.
  • Die Geschwister kommen dazu. Heute sind alle verschlafen und müde.
  • Mit viel Unterstützung schaffen es meine zwei Schulkinder aus dem Haus. Die Sehnsucht nach den Ferien ist groß.
  • Mein Jüngster geht heute nicht in den Kindergarten. Wir haben U9 beim Kinderarzt.
  • Er ist einverstanden, dass ich erst den Tisch abräume und danach Kaffee trinke und puzzelt so lange allein.
„Mama, jetzt puzzeln wir aber zusammen.“

Ich nehme mir Zeit für meinen Sohn. Wir lesen die Geschichte und puzzeln zusammen das dazugehörige Puzzle.

Danach geht es los zum Kinderarzt.

Bereit für die U9.

Mein Jüngster ist motiviert. Und sehr stolz auf sich, weil er so viel kann. „Mama, ich kann besser sehen wie du!“ Ja. Das kann er.

Er lässt sich aber auch zu nichts drängen. Sein gemaltes Männchen ist fertig, wenn er es beschließt. Arme und Gesicht braucht es nicht. „Guck, ich habe sogar den Hals gemalt.“ Na, also.

Nach dem Termin gehen wir in den kleinen Laden neben an. Mein Sohn darf sich etwas für’s Mittagessen aussuchen. Und fürs Frühstück am nächsten Tag wandern noch Erdbeeren, Himbeeren und Schokomüsli in den Korb.

„Gell, das haben wir uns jetzt verdient?“

Zuhause angekommen will er die Nachbarin besuchen. Und die hat Zeit und Lust auf seinen Besuch.

Ich nutze die Gelegenheit mich ins Bett zu legen. Und bin dankbar für einen Moment Ruhe.

Die Fatigue ist im Moment wieder heftig.

Nach seinem Besuch und meiner Pause machen wir zusammen Mittagessen. Er hat sich Schupfnudeln mit Apfelmus gewünscht. Und schmeißt sie begeistern in die Pfanne und rührt.

Ich habe mehr Lust auf Gemüse. Deshalb steht noch eine zweite Pfanne auf dem Herd.

Extrawünsche für Mama. 😉

Das ist für mich gelebte Selbstfürsorge. Nur für mich etwas extra zu kochen, auf das ich mich freue.

Nach dem Essen gehen die Kinder zur Mittagspause. Mein Mann arbeitet im Home-Office weiter. Und für mich steht der nächste Termin an. Entwicklungsgespräch im Kindergarten.

Eigentlich ist meine Energie für diesen Tag aber schon aufgebraucht. Deshalb lasse ich das Geschirr vom Mittagessen stehen und nehme mir einen Moment für mich.

Füße hoch, Kaffee, Atmen, den Vögeln zuhören.

Danach gehe ich den kurzen Weg zum Kindergarten.

Eine Schatzkiste für unsre Schätze.

Mein Sohn ist noch nicht so lange in seiner jetzigen Gruppe. Ich freue mich zu hören, dass er gut angekommen ist. Gern und viel mit den anderen Kindern spielt und Vertrauen zu den Erzieherinnen hat.

Zurück zu Hause werde ich von den Kindern erwarten. Eins will erzählen, eins braucht Hilfe bei den Mathe-Hausaufgaben, das dritte hat absolut keine Lust zum Englisch lernen.

Die Mathe-Hausaufgaben sind schnell erledigt.

Mich trifft die Fatigue mit voller Wucht. Mein Körper und mein Kopf schreien nach Pause.

Das Schlimmste an der Fatigue ist für mich tatsächlich nicht die körperliche Erschöpfung (die auch echt nicht schön ist), sondern die kognitive. Und wie krass sich beides gegenseitig bedingt.

Mein Kopf ist manchmal von einer Sekunde zur anderen so müde wie mein Körper. Selbst Sprechen fällt mir dann schwer. Und jedes Geräusch ist mir zu viel.

Schreiben geht meist deutlich länger und besser. Deshalb läuft hier manchmal tatsächlich ein Teil der Kommunikation per WhatsApp. Obwohl beide Personen im Haus sind.

Heute lerne ich mit meinem Sohn Englisch per WhatsApp. So kann ich in der Zeit in meinem Bett liegen und die Stille genießen.

Die Autokorrektur erschwert das Lernen. 😅

Danach kann ich für eine Zeit tatsächlich die Augen schließen. Mein Mann übernimmt die Fahrt zum Turnen mit unserer Tochter. Der Jüngste geht zu seiner Freundin. Der Älteste hängt am Handy.

Und ich schlafe…

Später fahre ich die kurze Strecke, um unsere Tochter und ihre Freundin vom Turnen abzuholen. Ich bin früh dran und kann mich noch ein wenig auf die Treppe setzen und durch die geöffnete Tür zusehen.

Ich staune, was mein Turn-Mädchen alles kann.

Der Abend ist anstrengend. Ich bin mit den Kindern allein. Mein Mann ist bei der Verabschiedung eines Arbeitskollegen.

Ich bin viel zu müde. Und dadurch ungeduldig. Ich werde doof zu den Kindern. Mein Jüngster wird sauer und will nicht ins Bett. Ich werde noch doofer.

Mitten im doof sein merke ich es. Und atme einmal tief durch. Und trete innerlich einen Schritt zurück.

Dann entschuldige ich mich bei den Kindern. Sage, dass es nicht an ihnen liegt, dass ich so doof bin. Sondern an mir. Weil ich so müde bin. Und so viele Schmerzen habe.

Es kehrt Ruhe ein. Ich liege mit dem Jüngsten und der Mittleren im Bett. Und übe mich in dem, was ich „meinen Frauen“ immer wieder ans Herz legen. Dem liebevollen und gnädigen Blick auf mich.

Ja. Ich war ungeduldig und doof. Aber in diesem Moment war es das Beste, was ich geben konnte. Das darf ich sehen. Und mir vergeben. Und gleichzeitig überlegen, wie ich morgen besser für mich sorgen kann um nicht nochmal in diese Situation zu kommen.

Ein liebevoller Blick auf mich selbst. So wichtig!

Und wenn du Lust in einen Tag von anderen Blogger*innen reinzuschauen, Guck bei bei „Draußen nur Kännchen“ vorbei. Hier werden jeden Monat alle 12von12 Artikel gesammelt.

Das kann ich übrigens noch nicht immer so. Es gab Zeiten, da wurde aus einem herausfordernden Abend ein katastrophaler Abend. Weil ich nicht inne halten konnte. Nicht wahrnehmen könnte, was das Problem ist. Nicht gnädig mit mein sein konnte im Nachhinein, Sondern voller Selbstvorwürfe. Was alles mir noch schlimmer machte.

Ich schreibe das, um dir Mut zu machen. Veränderung ist möglich. Wir können aussteigen aus unguten Verhaltensmustern.

Danach freue ich mich auf mein Abendprogramm. Mein Gruppencoaching DeinRaum.

Und ja. Ich freue mich darauf. Trotz Müdigkeit. Obwohl der Tag für mich anstrengend war. Weil meine Coaching-Arbeit mir selbst so gut tut. Und es mich jedesmal erfüllt.

Ich warte in meinem Zoom-Raum auf die Frauen.

Danach stelle ich mal wieder fest: Ich liebe was ich tue. Und ich bin unendlich dankbar für diese Arbeit, die ich mir da aufbauen darf. Die ich mache kann, obwohl ich krank bin. In der ich gut bin, obwohl es mir nicht gut geht.

Heute gab es Entspannung und Bewegung. Erkenntniss-Momente und neue Impulse. Kleine Aufgaben für die nächsten Tage und viel Ermutigung.

(Falls du neugierig bist: Hier kannst du schauen, was DeinRaum eigentlich ist.)

Am Ende des Tages wartet mein Ältester noch auf mich. Er wünscht sich Zeit zum Reden und Kuscheln. Das machen wir. Denn Reden und Kuscheln ist so wichtig, um den Bindungstank zu füllen.

Und was ist für mich wichtig am Ende dieses Tages? Dass die Worte, die ich immer wieder sage und schreibe auch für mich selbst so wichtig sind: „Sorge gut für dich. Nur dann kannst du auch gut für andere sorgen.“

Ich danke dir, dass du meinen Beitrag zu 12von12 im Juli gelesen hast. Falls du Lust auf mehr hast, findest du noch mehr Tage in meinem Blog.

Und wenn du Lust hast noch in einen Tag von anderen Blogger*innen reinzuschauen, guck unbedingt bei „Draußen nur Kännchen“ vorbei. Dort werden jeden Monat alle 12von12 Artikel gesammelt.

Herzliche Grüße, Judith

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