„Wie hast du das bloß geschafft?“

Immer wieder, wenn ich von meinem Weg der letzten Jahre berichte, kommt diese Frage auf.

Von meinem Weg weg von Strafen und Konsequenzen, hin zu Vertrauen und Verbindung.

Von meinem Weg raus aus dem Kampf, hin zu einem friedvollen Miteinander.

Von meinem Weg weg von der Erziehung, hin zu der Beziehung.

Als ich Mutter wurde, war für mich klar, dass ich „liebevoll konsequent“ erziehen muss. Ich wollte Regeln aufstellen, an die sich die Kinder halten. Und wenn nicht, muss es Konsequenzen geben. Und genau das machte ich auch, nachdem mein erstes Kind kein Baby mehr war und so langsam zum Kleinkind heranwuchs.(Puh… Klingt jetzt echt furchtbar in meinen Ohren… War aber so…)

Zu Beginn hat sich mein Kind erstaunlicherweise tatsächlich gefügt. Je älter er wurde, desto mehr wehrte er sich aber dagegen. Ich hatte im Kopf, dass ich dann noch strenger werden muss. Und er wehrte sich noch mehr.

Irgendwann fühlte sich alles nur noch nach Kampf an. Es war furchtbar!

Ich habe mich verzweifelt auf die Suche gemacht. Nach anderen Wegen, nach Menschen, die es anders machen.

Und konnte nach und nach mein Verständnis und meine Haltung zu Kindern, Entwicklung und Erziehung komplett ändern. Und dadurch auch mein Verhalten.

Heute gibt es hier keine Strafen mehr, keine Konsequenzen, keine Belohnungen, kein Drohen,…Und mein Familienalltag ist jetzt so viel friedvoller und schöner als noch vor 5 Jahren. Und die Beziehung zu meinem ersten Kind ist so viel tiefer und wärmer und vertrauensvoller als damals.

Meine 2 anderen Kinder haben von Anfang an weniger Strafen und Schimpfen erlebt. Mein Jüngster eigentlich gar nicht mehr. Und mit ihnen kam ich auch nie in diesen massiven Kampf.

Und wie habe ich das jetzt geschafft? Ich merke, dass es gar nicht so einfach ist, darauf eine Antwort zu geben. Aber ich möchte es versuchen.

Das Wichtigste war, dass ich mich auf den Weg gemacht habe. Ich spürte so deutlich: So, wie der Umgang mit meinem Kind ist, will ich das nicht mehr. So wie die Atmosphäre zuhause ist, möchte ich das nicht mehr. Uns ging es nicht gut. Mir ging es nicht gut. Meinem Kind ging es nicht gut. Und ich wünschte mir so sehr, dass mir jemand einen anderen Weg zeigt.

Also habe ich begonnen zu lesen. Bücher, Blogs, Facebook Posts. Ich habe begonnen zu fragen, zu diskutieren, nachzuhaken und nochmal zu fragen.

Ich habe mich (zumindest virtuell) mit Menschen umgeben, die diesen anderen Weg schon gehen. Habe mir Vorbilder gesucht, Menschen die so handeln, wie ich das gerne würde.

Ich habe mir Hilfe gesucht. Habe Kurse belegt, mir Begleitung gesucht, wieder einen Kurs belegt.

Ich habe in mich hineingespürt. Dahin geschaut wo es weh tut. Dahin wo es piekt. Habe viele, viele Sätze, die in mir waren angeschaut. Und viele dieser Sätze losgelassen.

Und mir wieder Unterstützung gesucht.

Manche Wegstrecken waren anstrengend. Manche so sehr, dass ich einfach nur sitzen bleiben und nicht weitergehen wollte. Manche so sehr, dass ich umdrehen wollte. Manche Wegstrecken waren leicht und wunderbar. Dann wenn ich gesehen habe, dass Veränderung passiert. Dass ich mich verändere. Und dadurch meine ganze Familie.

Am Wichtigsten war und ist für mich, dass ich auf jeder dieser Wegstrecken Wegbegleiter*innen habe. Dass ich Menschen habe, mit denen ich im Austausch bin, in Verbindung.

Am Wichtigsten war und ist, immer wieder zu merken, dass andere auf dem gleichen Weg sind wie ich. Manche ein Stück vor mir, manche ein Stück hinter mir, manche direkt neben mir.

Eine der wichtigsten Veränderungen, die in mir passiert ist, ist meine Sicht auf die Menschen um mich herum. Vor allem auf die kleinen Menschen, die mich tagtäglich umgeben. Ich gehe jetzt davon aus, dass jedes Verhalten seinen Grund hat. Und dass jeder Mensch immer sein Bestes gibt. Und davon ausgehend kann ich schauen, welches Gefühl unter einem Verhalten liegt. Und welches unerfüllte Bedürfnis unter dem Gefühl. Und dann kann ich überlegen, wie dieses Bedürfnis erfüllt werden kann.

Das gilt aber nicht nur für meine Kinder. Sondern auch für mich.

Wenn ich einen Tag habe, an dem ich nur motze, darf ich genauso ergründen, welches Gefühl und welches Bedürfnis darunter liegt. Und was ich brauche.

Dieser Blick hilft mir so sehr friedvoll zu sein. Mit meinen Kindern und mit mir.

Ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrung Mut machen kann. Mut, dass Veränderung möglich ist. Mut, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen. Mut, dass es sich lohnt auf dem Weg zu bleiben. Und Mut sich Menschen zu suchen, die einem auf diesem Weg begleiten.

Dieser Weg lohnt sich so sehr!

Für unsere Kinder. Und für uns selbst.

Herzliche Grüße,

Judith

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