Einleitung
Wann brauchen wir Halt?
Die Antwort, auf die Frage, wann wir Halt brauchen ist eigentlich ganz einfach: Wir brauchen immer Halt. Und Vieles in unserem Leben geht darum Halt zu bekommen, oder Halt zu geben, oft ohne, dass uns das bewusst ist.
Das wird Halt brauchen, oder geben, merken oft erst dann, wenn sich Leben von uns oder anderen unsicher anfühlt, etwas ins Wanken gerät.
Wie bei einer Achterbahn, bei der du sicher gehalten bist von Sitz und Bahn und Bügel. Aber erst wenn sie schneller wird, in die Kurven rast, oder sogar über Kopf, wird uns dieser Halt und wie sehr wir ihn brauchen bewusst.
Das können große persönliche Ereignisse sein, die unser Leben erschüttern und verändern, wie Unfälle, schwere Erkrankungen, Verluste, oder Arbeitslosigkeit.
Das können Ereignisse sein in unserer Umgebung, unserem Land, unserer Welt.
Aber auch kleine, alltägliche Herausforderungen oder Stress, der zu Unruhe, Unsicherheit und Überforderung führt.
Bei mir selbst waren die zweieinhalb Jahre, in denen ich schwer krank war, so eine Erschütterung, in der Vieles, was sich seither klar und sicher anfühlte plötzlich nicht mehr, oder nur noch unsicher da war. Und diese Erschütterung betraf nicht nur für mich, sondern für meine ganze Familie. Vor allem weil zusätzlich noch so viel anderes war, was zu weiteren Unsicherheiten, Sorgen und Herausforderungen führte. Der Schlaganfall meines Mannes, der Tod meines Papas, die große Bauch-Op unseres Sohnes (und die Unsicherheit davor) und zusätzlich noch viele weitere kleine und große Herausforderungen, die das Leben eben mit sich bringt.
Ich kenne aber genauso gut die kleinen, alltäglichen Situationen, in denen sich plötzlich Unruhe, Unsicherheit oder Überforderung in mir breit machen. Eine zu volle ToDo-Liste und zu wenig Zeit für mich, nicht enden wollende Infekte in der Familie, kreisende Sorgen-Gedanken ohne Lösungen, Streit und Konflikte. All das kann dazu führen, dass ich plötzlich nach Halt suche, oder nicht mehr weiß, wo mein Halt ist, oder ihn kurze Zeit ganz zu verlieren scheine. Vor allem dann, wenn sich mehrere dieser Situationen anhäufen.
Ich lade dich ein kurz innezuhalten und dir zu überlegen, wie das bei dir ist. Wann merkst du, dass du Halt brauchst? Was führt bei dir zu Unruhe, Unsicherheit oder Überforderung? Wann suchst du nach Halt, oder verlierst deinen Halt?
Was gibt uns Halt?
Stelle dir jetzt eine dieser Situationen vor. Wie fühlt sich das in dir an? Was für Gedanken kommen? Was für Gefühle und Körperreaktionen nimmst du wahr?
Und jetzt stell dir vor, du suchst in dieser Situation nach Halt, oder bekommst Halt angeboten. Wie sieht der aus? Was ist das für Halt? Wie fühlt er sich an?
Ganz allgemein können wir sagen, dass wir in Unruhe, Unsicherheit und Überforderung Halt finden, wenn wir uns festhalten können, oder wenn wir gehalten werden. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen. Routinen, Strukturen und Regeln können uns Halt geben. Unser Wissen und unsere Fähigkeiten können uns Halt geben, oder das Wissen und die Fähigkeiten von anderen. Unser Beruf kann uns Halt geben, oder auch ein Ehrenamt. Tiere oder Hobbys können uns Halt geben. Beziehungen und andere Menschen können uns Halt geben, wir selbst und Gott.
Zusammenfassend gibt uns also Verbindung Halt. Verbindung zu Dingen, Tieren, Tätigkeiten, Wissen. Aber vor allem die Verbindung zu anderen, zu uns selbst und zu Gott.
Wir brauchen die Verbindung zu anderen Menschen, brauchen Gemeinschaft und Zusammenhalt. Wir brauchen es zu lieben und geliebt zu werden, zu helfen und Hilfe zu bekommen, zu vertrauen und Vertrauen geschenkt zu bekommen. Verbindung ist eins der wichtigsten emotionalen Grundbedürfnisse, die es gibt. Etwas, das da sein muss, damit wir psychisch gesund und stabil sein können, also etwas, dass notwendig ist, damit wir Halt haben im Leben.
Zu Beginn unseres Lebens ist diese Verbindung zu anderen Menschen die Hauptverbindung die wir haben. Aber je größer ein Kind wird – und als Erwachsene noch mehr – brauchen wir auch die Verbindung zu uns selbst. Es ist wichtig, dass wir uns wahrnehmen. Wahrnehmen wie es uns geht, mit all unseren Gefühlen und Bedürfnissen. Nur dann können wir selbst für uns sorgen und lernen uns selbst zu regulieren. Um Halt zu haben in unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass wir auch in uns selbst Halt haben und wissen, dass wir uns auf uns verlassen können.
Und für mich ist eine der wichtigsten Verbindungen, die mir den stärksten Halt gibt, die Verbindung zu Gott. Ich glaube an einen Gott, der uns geschaffen und ins Leben gerufen hat. An einen Gott, der uns von Anfang an kennt und sieht und liebt. Ein Gott, der uns Vater und Mutter und Freund und Helfer und Erlöser und Retter sein will. Ein Gott, der uns seinen Halt anbietet, an jedem Tag unseres Lebens.
Den sichersten Halt haben wir im Leben, wenn wir alle drei der genannten Verbindungen erleben. Die Verbindung zu anderen Menschen, die Verbindung zu uns selbst und die Verbindung zu Gott.
Was braucht es, damit eine Verbindung hält?
Stelle dir jetzt nochmal eine Situation vor, die dich verunsichert, oder überfordert. Oder erinnere dich an eine Situation, in der du dich so gefühlt hast, in der du deinen Halt verloren hast, oder nach Halt gesucht hast. Und jetzt frage dich, wie Verbindung sein muss, damit sie dir Halt gibt? Wie muss die Verbindung zu anderen Menschen sein, wie ir Verbindung zu dir selbst und wie die Verbindung zu Gott, damit du wirklich merkst, dass diese Verbindung dich hält und trägt, dann wenn etwas in deinem Leben, oder dein ganzes Leben, ins Wanken gerät.
Für mich sind das vor allem drei Punkte:
- Ich muss wissen, dass es diese Verbindung gibt.
Ich muss wissen, dass es Menschen gibt, die für mich da sind, wenn es schwer ist, die bereit sind mich zu halten und zu tragen. Und dazu ist es beispielsweise notwendig, dass wir uns das gegenseitig sagen. Ich muss wissen, dass es Möglichkeiten gibt, wie ich mich selbst halten kann. dass ich mich z.B. bei Stress und Angst selbst regulieren kann, dass ich Fähigkeiten und Wissen habe, oder dass ich weiß, wie ich gut für mich sorge. Und ich muss wissen, dass es einen Gott gibt, der mich halten will. Dass dieser Gott lebendig ist und eine Verbindung zu mir haben möchte. Und dass er tatsächlich konkret etwas bewirken kann in meinem Leben.
- Ich muss erleben, dass diese Verbindung hält.
Theoretische Wissen allein, hält mich aber nur sehr begrenzt. Ich muss diese Verbindung erleben, damit sie mich wirklich halten kann. Ich muss erleben, dass dieser Mensch, der mir angeboten hat da zu sein, dann auch wirklich bleibt, wenn es schwer wird. Ich muss erleben, dass ich mich wirklich halten und regulieren kann, dass ich Fähigkeiten und Wissen habe, auf das ich mich verlassen kann, oder dass ich Erfahrungen habe, auf die ich zurückblicken kann. Und damit der Glaube an Gott mich wirklich hält, brauche ich es zu erleben, dass dieser Gott nicht nur eine theoretische Idee ist, sondern wirklich lebendig. Ich brauche das Erleben, dass er da ist, mich trägt und tröstet, mir neue Kraft, Hoffnung oder Freude schenkt, dass er mir begegnet und zu mir spricht.
- Ich muss die Verbindung vertiefen und stabiler werden lassen.
Verbindung ist in der Regel kein Selbstläufer. Wir müssen immer wieder aktiv etwas dafür tun, sie zu vertiefen, manchmal zu erneuern und dadurch immer stabiler und sicherer werden zu lassen. Dafür braucht es ein Bewusstsein dafür, dass das wichtig ist und immer wieder die Entscheidung in diese Verbindung zu investieren. Und ich brauche echte und ehrliche Begegnungen -Herzensbegegnungen- mit anderen, mit mir selbst und mit Gott.
Und all das ist es auch, was mir in meinen Angeboten so wichtig ist. Von dieser Verbindung zu erzählen und Räume zu schaffen, in denen wir miteinander diese Verbindung erleben und vertiefen können. Indem ich dazu einlade und es anleite, uns immer wieder mit uns selbst verbinden, wieder oder mehr lernen uns wahrzunehmen uns zu spüren und für uns zu sorgen. Indem Räume entstehen, wo Frauen einander echt und tief und ehrlich begegnen können und Verbindung untereinander erleben. Und indem ich von Gott erzähle, Räume öffne, indem wir ihm begegnen können und eine tiefe und lebendige Verbindung zu ihm entwickeln, erleben und leben können.
Wie kann ich die Verbindung zu Gott so erleben und vertiefen, dass sie hält?
Mir ist es wichtig, dass Glaube nicht nur Theorie bleibt, nicht nur eine Idee, die schön klingt, sondern erlebbar, so dass er wirklich trägt und hält. Der Gott, an den ich glaube, ist ein lebendiger Gott. Und in Jesus will und kann er uns ganz persönlich begegnen. Er lädt uns ein zu einer Beziehung, zu einer Verbindung, zu einem miteinander. Um diese Verbindung zu erleben und zu vertiefen, gibt es ganz viele Ideen und Möglichkeiten. So wie es auch verschiedene Ideen und Möglichkeiten gibt, wie wir Menschen untereinander unsere Verbindung vertiefen können. Ein paar dieser Ideen und Möglichkeiten teile ich hier mit dir:
- Verbringe Zeit mit Gott.
Dieser erste Punkt klingt vielleicht banal, ist aber absolut elementar. Wenn ich keine Zeit mit Gott verbringe, lerne ich ihn auch nicht kennen und kann keine Verbindung zu ihm haben. Der theoretische Glaube, dass es Gott gibt, reicht nicht aus. Ich brauche es, dass ich ihn kennenlerne – den Vater, Jesus und den Heiligen Geist. Und kennenlernen kann ich nur, mit wem ich Zeit verbringe. Zeit mit Gott zu verbringen bedeutet für mich zum Beispiel in der Bibel zu lesen, zu beten, Lobpreis zu hören oder zu machen und vor ihm still zu werden und auf seine leise Stimme zu hören.
- Bete ehrlich.
Um in einer tiefen Verbindung miteinander zu sein, brauchen wir Ehrlichkeit. Das gilt für die Verbindung zu anderen Menschen, zu uns selbst und zu Gott. Deshalb ermutige ich immer dazu ehrlich zu beten. Das bedeutet, dass ich zuerst ehrlich sein darf zu mir selbst und dass ich Zeit mit mir verbringe, um wahrzunehmen, wie es mir geht und was in mir ist. Und mit all dem was ich, darf ich zu Gott kommen. Ich darf ehrlich sagen, wie es mir geht. All meine Sorge, meine Klage, meine Angst, meine Zweifeln, meine Wut, meine Freude, meine Dankbarkeit und was sonst noch alles in mir ist. Ich muss nichts verstecken, alles darf sein. Das ehrliche Gebet vertieft beten nicht nur die Verbindung zu Gott, sondern auch zu mir selbst.
- Bete gemeinsam.
Gemeinsames Beten verbindet Menschen auf ganz besondere Art und Weise. Und zusätzlich verbindet es uns gemeinsam mit Gott. Auf dem gemeinsamen Gebet liegt auch eine besondere Verheißung dieser tiefer Verbindung. Das steht in der Bibel in Matthäus 18,20: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieser Satz ist ein Versprechen von Jesus, dass er uns gibt. Er ist immer da, immer bei uns, immer bei dir. Aber beim gemeinsam Beten können wir das oft auf besondere Art und Weise wahrnehmen.
- Bete mit der Bibel
Für mich ist die Bibel nicht nur ein Buch mit vielen alten Geschichten. Für mich ist es ein lebendiges Wort, durch das wir Gott erleben können. Deshalb lese ich es nicht einfach nur, sondern nutze die Worte und Sätze immer wieder, um mit ihnen zu beten. Morgens mache ich das meisten, wenn ich die Losung lese (Ein Buch, mit Bibelversen für jeden Tag.) Ich lese den Satz und dann danke ich Gott mit diesen Worten, für das, was er da sagt. Oder ich bitte ihn, dass ich genau das erleben darf. Oder sage ihm, dass mir das gerade fehlt und ich es so sehr brauche. Oder ich nehme es als Zuspruch für mich selbst und spreche es mir zu.
- Bete mit deiner Vorstellungskraft
Gott hat uns unsere Vorstellungskraft geschenkt und wir alle nutzen sie jeden Tag. Wenn wir uns Sorgen machen, wenn wir uns auf etwas freuen, wenn wir etwas planen, wenn wir uns an etwas erinnern. Und genauso können wir sie auch zum Beten nutzen. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, dass Jesus da ist. (Denn das ist er.) Wir können uns vorstellen, dass er uns ansieht und ihn bitten, uns diesen Blick zu zeigen. Wir können uns Bibelvers vorstellen, was sie wirklich für uns bedeuten. In der Bibel wird das „meditieren“ genannt und wir sind eingeladen, genau das mit dem zu machen und dadurch das was da steht zu vertiefen und in uns erlebbar zu machen.
- Bete mit Liedern.
Die Bibel ist voll mit Gebeten, die eigentlich Lieder sind: Die Psalmen. Und so wie die Psalmen gesungen wurden, dürfen wir jetzt auch mit Liedern beten oder Gebete singen. Ich liebe es Lobpreis-Musik zu hören und laut mitzusingen. Oder mich selbst ans Klavier zu setzen und zu spielen oder zu singen. Oder mit anderen zusammen Gott mit Liedern zu loben und betend zu singen. Auch darauf liegt eine besondere Verheißung für die Verbindung Gottes zu uns Menschen. In Psalm 22,4 heißt es, dass Gott im Lobpreis seines Volkes lebt. Das bedeuteter mich unter anderem, wenn wir Gott mit Liedern loben, können wir die Verbindung zu ihm oft auf besondere Weise spüren.
Eine Einladung.
Verbindung ist für mich eine Einladung. Eine Einladung Gottes an uns Menschen. Eine Einladung an mich. Eine Einladung mein Herz zu öffnen für mich selbst und andere, eine Einladung in Beziehung zu leben und eine Einladung, mit Gott leben zu dürfen. Eine Einladung, die mich immer mehr zu Gott führen darf. Eine Einladung die mir zuruft, dass er da ist, immer, egal was ist. Eine Einladung mich festhalten zu dürfen an ihm und mich halten zu lassen von ihm. Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, will eine Verbindung zu mir, lädt mich dazu ein, sehnt sich sogar danach. das ist etwas, was mich immer wieder bewegt. Und ich möchte es auch dir zurufen: Da ist ein Gott, der dich zu einer Verbindung mit sich einlädt. Ein Gott, der dir Halt geben will und kann, egal, wie sicher oder unsicher, wie ruhig oder unruhig, wie einfach oder schwer dein leben gerade ist.
Das ist etwas, was er uns in der Bibel immer wieder sagt. In Jesaja 41,10 steht beispielsweise „Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, denn ich, dein Gott, ich steh dir bei. Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich mache dich stark und ich helfe dir. Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand.“ Gott bietet uns seine Hand an, um uns zu helfen. Dir und mir und allen anderen Menschen.
Und in der Bibel gibt es immer wieder Menschen, die zu diesem Angebot Ja sagen und as festmachen. Und wir dürfen ihre Worte nutzen, um das auch zu tun. Zum Beispiel die Worte aus Psalm 73,23: „Und dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich an meiner rechten Hand.“ Auch das dürfen wir uns vorstellen und die Worte für unser Beten nutzen, um es zu vertiefen und erlebbar zu machen.
Vielleicht möchtest du dir ja jetzt direkt ein wenig Zeit dafür nehmen. Du kannst einfach für einen Moment die Augen schließen, auf deinen Atem achten, dich wahrnehmen und dir dann bewusst machen, dass Gott da ist, bei dir. Du kannst dir vorstellen, dass er dir seine Hand entgegen streckt, dass er dir sagt, dass er bei dir ist und dich halten will, egal was ist. Und du kannst diese Hand in Gedanken ergreifen. Oder am Besten wirklich mit deiner Hand eine Greifbewegung machen, um dieses Bild noch zu vertiefen. Und dann kannst du einfach sagen: „Ja, ich will deine Hand nehmen. Danke, dass du da bist. Danke, dass du mich halten willst.“
Ich wünsche dir von Herzen, dass du in eine immer tiefere Verbindung zu diesem Gott wachsen darfst. (Und das wünsche ich nicht nur dir, sondern auch mir selbst.
Herzliche Grüße,
Judith
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