Von Übergängen, Kommunikation und Verbindung

Einblicke in einen Urlaubstag im August 2021…

Wir haben für heute einen Ausflug zum Abenteuer-Spielplatz geplant. Irgendwann habe ich das auch angekündigt. Vermutlich auch so, dass alle es mitbekommen haben. Nach dem Frühstück driften wir aber erstmal auseinander. Jeder findet eine Beschäftigung. Die Mittlere und der Jüngste sind draußen auf der Schaukel. Der Älteste hat sich mit seinem Handy auf sein Bett verzogen. Ich bin in meine Website vertieft…

Mein Mann  beschließt plötzlich Brötchenreste vom Frühstück und Wurst einzupacken. Zum Mitnehmen auf den Spielplatz. Und reißt mich damit aus meinem Konzept. Hatten wir nicht gestern besprochen, dass wir nichts mitnehmen, sondern dort beim Kiosk was zu kaufen? Mein Mann hat den Plan mit Blick auf die Brötchenreste ohne Kommunikation geändert. Eigentlich sinnvoll. Mit Planänderungen kann ich aber nicht gut umgehen. Mit fehlender Kommunikation auch nicht.

Also werde ich unruhig. Und der Blick auf die Uhr verstärkt die Unruhe. Mir war nicht klar, wie spät es schon ist. Und plötzlich höre ich ein Kind weinen. Und frage mich, ob dass mein Jüngster sein kann.

Mein Mann geht los die zwei zu suchen. Nein, das weinende Kind gehört nicht zu uns. Aber er kündigt den zweien an, dass wir bald los wollen. Und kommt frustriert zurück. Seine Ankündigung wurde mit „Wir kommen erst in 100 Minuten.“ kommentiert. Seine Erwartung war aber, dass sie sofort mitkommen und sich ihre kurzen Hosen anziehen. Für die langen ist es mittlerweile zu warm.

Ich bin noch mit meinem Chaos in mir beschäftigt. Mit der kleinen Planänderung, meinen Überlegungen was wir zusätzlich zu Brötchen und Wurst noch zum Essen brauchen und dem Gedanken an Wechselkleidung und Badehosen für den Bach beim Spielplatz.

Dann gehe ich aber doch zur Schaukel. Lade die Kinder ein mit mir zum Abenteuer Spielplatz zu gehen. Helfe beim Hosenwechsel. Und verliere irgendwie den Ältesten aus dem Blick.

Mein Mann ruft ihm zu, dass er sein Handy weglegen und sich sofort umziehen soll. Unser Sohn ist versunken und reagiert nicht. Mein Mann ist schon genervt und gestresst und reagiert. Ungeduldig.

Es kommt wie es kommen muss. Unser Ältester ist sauer. Will nicht mehr. Etwas in ihm blockiert völlig. Ich gehe zu ihm, sage dass wir schon zum Auto gehen. Und dass er sich in Ruhe richten und dann nachkommen soll. Biete ihm noch meine Hilfe an. – Keine Reaktion.

Wir gehen raus. Ich hoffe, dass er allein die Kurve bekommt. Befürchte aber schon, dass das nicht der Fall sein wird. Als alles im Auto verstaut ist, gehe ich zurück. Ich bin frustriert. Habe keine Ahnung wie ich das lösen soll ohne ihn gewaltvoll zum Auto zu zerren. Wenn er mal blockiert ist, ist er blockiert. Das kenne ich.

Ich versuche es verständnisvoll. Ich versuche es liebevoll. Ich apeliere an seine Vernunft und an seine Solidarität. Ich bitte und werde sauer und beginne mich zu beschweren. Ich drohe und sage, dass wir dann ohne ihn fahren. Obwohl ich weiß, dass das total blöd ist. Aber in diesem Moment habe ich keine Lust und keine Geduld.

Von Verbindung zu meinem Sohn – keine Spur. Und auch zu mir selbst ist in dem Moment wenig Verbindung da.

Mein Mann kommt dazu. Und irgendwann schafft es mein Sohn die Wohnung zu verlassen. Mit schlechter Laune. Aber immerhin.

Im Auto will er, dass ich hinten neben ihm sitze. Als wir schon losfahren will er es doch nicht mehr. Wir fahren trotzdem weiter. Ich lasse ihm seinen Raum. Spreche ihn nicht an. Und irgendwann nimmt er meine Hand. Ich schaue ihn an und wir lächeln beide. Und ich merke, die Verbindung ist ein Stück weit wieder hergestellt.

Mein Sohn braucht noch seine Zeit, um wieder so richtig bei sich anzukommen. Und um so richtig bei uns anzukommen. Und um so richtig auf dem Spielplatz anzukommen.

Und ich denke über Übergänge nach, über Kommunikation und über Verbindung.

über Übergänge und den Herausforderungen damit

Es gibt Kinder, die haben ein Thema mit Übergängen. Ihnen fällt es schwer, von einer Situation in die andere zu kommen. Von einem Ort an den anderen. Von einer Zeit in die andere.

Von der Schule in die Ferien. Von Zuhause in den Urlaub. Vom Handy spielen zum nicht mehr Handy spielen. Vom Tag in die Nacht. Von der Ferienwohnung zum Ausflug.

Ich weiß, dass mein Sohn zu diesen Kindern gehört. Dass er Unterstützung braucht für diese Übergänge und Vorbereitung und Zeit.

Wie kann diese Unterstützung aussehen?

– Rechtzeitig den geplanten Übergang ankündigen. Und zwar so, dass das Kind es auch wirklich mitbekommt. In unserem Fall hätte das bedeutet, dass er das Handy kurz weglegen muss und eventuell auch wiederholen, was wir ihm gesagt haben.

– Diese Ankündigung mehrmals wiederholen.

– Rechtzeitig und in Ruhe sagen, wenn der Übergang da ist. Klar sagen was jetzt alles zu tun ist.

– Und dann -wenn nötig- diese Handlungen begleiten. Da sein, helfen, unterstützen, zuhören. Bei uns bedeutet das oft ganz praktische Dinge, wie dass ich auch meinen großen Kindern bei schwierigen Übergängen beim Anziehen helfe. Obwohl sie das natürlich selbstständig können.

Wichtig ist für mich, unseren Kindern, denen Übergänge schwer fallen (und damit auch uns) diese so angenehm wie möglich zu machen.

über Kommunikation und dem Mangel daran

Immer wieder merke ich, dass viele herausfordernde Situationen in unserer Familie durch mangelnde oder fehlende Kommunikation entstehen.

Heute war schon die Kommunikation zwischen meinem Mann und mir mangelhaft. Es gab keine oder zu wenig Absprachen. Irgendwie war nicht klar kommuniziert, wie unser Aufbruch und der Ausflug überhaupt ablaufen sollen. Und dadurch wurde auch die Kommunikation unseren Kindern gegenüber unklar.

Ich erlebe immer wieder wie wichtig es ist, klar zu sein in meiner Kommunikation. Genau zu sagen, was wir vorhaben. Genau zu sagen, was ich mir wünsche. Genau zu sagen, was wir jetzt machen und wie.

über Verbindung und das Fehlen davon

Wer mir hier oder auf Facebook folgt weiß, dass Verbindung mein Herzensthema ist.

Weil für mich die Verbindung der Schlüssel zu all unseren herausfordernden Situationen im Familienalltag ist. Die Verbindung zu mit selbst, zu meinem Partner und zu meinen Kindern.

Bin ich mit mir selbst in einer guten Verbindung, merke ich was ich brauche. Dann kann ich mit Herausforderungen gut umgehen und im Familien-Trubel gelassen bleiben.

Bin ich mit den anderen Mitgliedern in meiner Familie in einer guten Verbindung, merke ich was sie brauchen. Dann können wir Herausforderungen gemeinsam gut meistern und im Familien-Trubel zusammen halten.

Was ich aus dem Tag heute lerne? Dass ich wieder einen Schritt zurück treten darf. Und mich daran erinnern darf, wie wichtig es ist meine Kinder gut zu begleiten. Auch und vor allem bei Übergängen. Und dass ein Ausflug auch mit einem sehr holprigen Start trotzdem noch sehr schön werden kann.

Herzliche Grüße,

Judith 💛✨

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