Schon seit längerer Zeit mache ich mit bei der Blog-Tradition 12von12 und nehme euch immer am 12. des Monats mit 12 Bilder mit hinein in meinen Tag.
Der 12. Mai war ein Tag mit einigen online-Terminen und mit Zeit, um für mich zu sorgen. Für mich zu sorgen bedeutet für mich ganzheitlich für mich zu sorgen – für meinen Körper, meine Seele und meinen Geist und in einer guten Verbindung zu mir selbst und Gott zu leben. Wenn ich von Körper, Seele und Geist spreche, meine ich damit das biblisch-hebräische Verständnis, in dem die Seele der Sitz unserer Denkens, Fühlens und Wollens ist und der Geist, der Teil in uns, der für die enge Verbindung und die Kommunikation mit Gott geschaffen ist und unsere von Gott gegebene Identität enthält.
In diesem 12von12 möchte ich euch mit hinein nehmen, was das konkret für mich bedeutet und vielleicht findest du ja ein paar Impulse und Ideen für dich selbst.
Wie sorge ich für meinen Körper, wie gelingt es mir freundlich zu ihm zu sein? Wie sorge ich für meine Seele, wie nähre ich sie und gebe ihr Halt? Und wie stärke ich meinen Geist?
Mein Wecker klingelt an diesem Morgen schon um 5.50Uhr. Seit dieser Woche bin ich wieder bei einem online-Früh-Gebet dabei. Eine zeitlang hatte ich mich jeden Morgen mit einer kleinen Gruppe von Frauen online zu einer Bibellese- und Gebets-Zeit getroffen. Irgendwann ist dieses Treffen eingeschlafen (im wahrsten Sinne des Wortes 😉 und vor kurzem haben ein paar der Frauen wieder damit begonnen.
Ich gehe im Schlafanzug nach unten, mache es mir mit meiner Bibel und Schreibzeug vor dem Laptop gemütlich. Wir starten mit einem gemeinsamen Gebet, dann hat jede von uns eine Zeit alleine und am Ende tauschen wir uns aus und beten noch einmal miteinander. Ich merke mal wieder, was für einen Unterschied es macht, womit und wie ich in meinen Tag starte. Wonach ich als Erstes greife, wohin ich meine Aufmerksamkeit als Erstes richte, woran ich als Erstes denke.
Ich muss gestehen, viel zu oft ist mein Handy das worauf ich als Erstes greife. Dann richtig ich meine Aufmerksamkeit auf das, was da angezeigt wird: Nachrichten, die mir geschickt wurden, Mails, Social Media, teilweise Inhalte, die ich nicht bewusst, oder nur langsam und bedingt steuern kann. Aber heute greife ich nach meiner Bibel, richte meine Aufmerksamkeit auf Gott, werde still, spreche mit ihm und höre hin. Dadurch stärke ich meinen Geist, richte ihn direkt auf Gott aus und helfe dadurch auch meiner Seele mit all ihren Gedanken und Gefühlen zu Gott zu kommen. Ich bete für meine Familie, für meinen Tag, für all die Aufgaben die kommen, noch bevor etwas davon begonnen hat. Und merke, dass ich dadurch mit einer anderen Ruhe und aufgetankter als sonst oft in den Morgen mit meiner Familie starte.

Bild 1: Früh-Gebet und Bibellesen in virtueller Gemeinschaft
Die Kinder sind schon alle wach, als ich aus meiner Zeit mit Gott komme, mein Mann hat den Frühstückstisch gedeckt und ich schaue, wo ich am meisten gebraucht werde. Eins meiner Kinder braucht im Moment morgens oft viel Nähe und Zuwendung. Also nehme ich mir Zeit zum Beine massieren, mit dem Kind zu beten, Kleidung für den Tag auszusuchen und zu ermutigen für das, was heute kommt.
Ich sorge also für den Körper und die Seele meines Kindes, versuche Halt zu geben und bin da. Und am Besten kann ich das dann, wenn ich auch für mich selbst gut sorge und für mich da bin.

Bild 2: Müsli-Familien-Frühstück
Ich esse -wenn möglich- bewusst nicht gemeinsam mit meiner Familie, sondern erst, wenn alle anderen aus dem Haus sind. Ich habe für mich festgestellt, dass es mir besser tut langsam und in Ruhe zu essen und kann mich dadurch auch besser auf all das einlassen, was meine Kinder brauchen und auf was man an so einem Familien-Alltag-Morgen so alles beachten muss. Ich erinnere ans Zähneputzen, an Medikamente und Vesperdosen, beantworte Fragen und höre all dem zu, was dringend noch erzählte werden muss, küsse und segne Kinderköpfe (zu denen ich mich mittlerweile teilweise hochstrecken und nicht mehr herunterbeugen muss 😉 Mein Mann arbeitet heute von zuhause aus und zieht sich ins Arbeitszimmer zurück.
Als Nächstes nehme ich mir Zeit für meinen Körper zu sorgen. Durch meine Geschichte fällt mir das nicht immer leicht. Schon seit meiner Jugend begleiten mich chronische Schmerzen und andere Symptome, über die Jahre haben sich mehrere Diagnosen angesammelt, bis ich Ende 2021 schwer erkrankte und mein Körper über Monate hinweg immer schwächer wurde, bis ich die meiste Zeit des Tages im Liegen verbringen musste, nur noch sehr kurze Strecken gehen konnte und an sehr schlechten Tagen nur wenige Schritte mit Unterstützung. Im Sommer vor zwei Jahren durfte ich ein großes Wunder erleben, durch das ich wieder aus dem Bett und aus dem Rollstuhl aufstehen konnte, wofür ich noch immer sehr dankbar bin. Viele Symptome, die ich schon davor hatte sind jedoch geblieben und die chronischen Schmerzen sind durch den massiven Bewegungsmangel, den ich durch die Erkrankung über lange Zeit hatte, teilweise noch stärker geworden. Besonders wichtig ist, immer wieder freundlich auf meinen Körper zu schauen und nachsichtig und geduldig mit mir zu sein. Und gleichzeitig gezielte Bewegung zur Lockerung, Dehnung und Stärkung in meinen Alltag einzubauen.

Bild 3: Dehnen und Selbstmassage am Morgen.
Nach einer Dusche nehme ich mir Zeit zum Frühstücken. Ich mag es, wenn mein Körper, meine Seele und mein Geist miteinander genährt werden. Deshalb gibt es einen nährstoffreichen Frühstücksbrei mir Erdbeeren, Nahrungsergänzungsmittel um dem Mangel in meinem Körper entgegenzuwirken, die Losung und Zeit für Dankbarkeit. Die Losung sind zwei ausgewählte Bibelverse für jeden Tag und in meinem Losungsbuch ist noch ein wenig Platz zum Schreiben, den ich jeden Tag für einen Dankbarkeit-Notiz nutze.

Bild 4: Frühstück mit Losung und Dankbarkeit
Da ich am späten Nachmittag zwei Termine habe, bereite ich direkt nachdem ich den Frühstückstisch abgeräumt habe, direkt das Mittagessen vor. Es gibt noch einen Rest Spargel von gestern, der zu einer Suppe wird und als Nachtisch bereite ich einen Quarkauflauf mit Kirschen vor, der später einfach noch im Ofen fertig werden muss.

Bild 5: Vorbereitungen für Mittagessen
Mit meinem Mann habe ich ausgemacht, dass wir uns nach seinem ersten und vor meinem ersten Termin zum Kaffeetrinken im Wohnzimmer treffen. Heute ist es so kalt, dass er uns ein Feuer im Kamin anmacht.

Bild 6: Vormittags-Kaffee mit meinem Mann
Danach habe ich einen Zoom-Termin. Ich begleite mehrere Frauen in traumsensiblem Coaching und Seelsorge. Davor nehme ich mir immer Zeit, um für die Frau und das Gespräch zu beten, lese mir nochmal kurz die Notizen der letzten Stunde durch und bereite mich so darauf vor. Heute höre ich viel zu, beantworte einige Fragen und wir nehmen uns Zeit, für die angesprochenen Themen zu beten.

Bild 7: Online-Seelsorge
Auch nach dem Gespräch nehme ich mir nochmal Zeit zum Beten und lasse die Frau und ihre Geschichte ganz bewusst wieder los Die Themen, mit denen die Frauen kommen, sind sehr oft sehr schwere Themen. Es ist wichtig, dass ich diese Lasten nach dem Gespräch nicht weiter trage, dadurch sorge ich für meine Seele. Ich bin dankbar, dass ich diese Lasten an Gott abgeben darf und weiß, dass er die Frau und ihre Lasten trägt.
Und ich strecke mich bewusst, atme ein paar Mal tief durch, bewege mich kurz und höre auf das, was mein Körper jetzt als kurze Pause braucht.
Danach geht es direkt weiter in meinen nächsten Zoom-Termin. Seit Anfang des Jahres arbeite ich ehrenamtlich in einem digitalen Gebetshaus (dem „Gebetshaus-digital-Hope„) mit, das vor allem chronisch und psychisch kranken Frauen die Möglichkeit bieten will, in virtueller Gemeinschaft an regelmäßigen Gebetszeiten und anderen Angeboten teilzunehmen. Diese Gebetszeiten können eine Möglichkeit sein, die Seele zu nähren und den Geist zu stärken. Heute gestalte ich zwei Gebetszeiten – das Mittagsgebet und das Abendgebet.

Bild 8: Mittagsgebet im Gebetshaus-digital-Hope
Die Gebetszeiten habe klare Abläufe, so dass die Frauen Halt darin finden können. Zur Anfangszeit läuft ruhige Musik, dann starten wir mit einer Begrüßung, in der kurz der Ablauf der Gebetszeit vorgestellt wird, dann folgt eine Zeit des Ankommens und Beten, unter anderem mit einem Text, den die Frauen mit der Zeit schon kennen. Danach gibt es 10 Minuten Stille, die jede Frau für sich füllen kann zB mit Beten, Bibellesen oder Lobpreis-Musik. Zum Abschluss gibt es einen kleinen Impuls, dienstags immer zu einem der Verse aus der Losung. Beim Mittagsgebet gehe ich auf den Vers aus Psalm 102,18 ein: „Der Herr wendet sich zum Gebet der Verlassenen.“ In einer anderen Übersetzung steht anstatt „Verlassene“ – „Hilflose“. Ich finde das ein wunderbares Bild und eine wertvolle Zusage Gottes, dass er sich uns zuwendet, wenn wir uns verlassen oder hilflos fühlen und genau so, wie wir sind, betend zu ihm kommen. Ich lasse noch ein paar Minuten Zeit, um sich dieses Zuwenden Gottes vorzustellen und sich ehrlich betend Gott hinzuwenden.
Nach der Gebetszeit decke ich den Tisch, mache die Suppe nochmal warm und stelle fest, dass der Quarkauflauf schon fertig aus dem Ofen duftet. Die Kinder kommen nach und nach und auch mein Mann kann beim Mittagessen dabei sein.
Ich habe für mich und die Kinder von Anfang an eine Mittagspause eingeführt. Die Kinder sind in der Zeit meistens in ihren Zimmern, hören Musik, Hörspiel oder Podcast. Ich lege mich meistens aufs Sofa, mit Soaking-Musik oder einer Gebetsmeditation oder ähnlichem auf den Ohren. Auch damit sorge ich für meinen Körper und meine Seele und stärke meinen Geist.

Bild 9: Mittagspause
Am Nachmittag nehme ich mir Zeit für ein wenig Haushalt und unterstütze die Kinder bei ihren Schulaufgaben.
Später habe ich einen Termin zur Sauerstoff-Therapie (IHHT). Mein Physiotherapeut-Therapeut, bei dem ich das schon längere Zeit mache ist umgezogen, bzw hat ein Fitness- und Therapiezentrum gegründet und aufgebaut, so dass ich die Sauerstoff-Therapie mit ein wenig Muskel-Aufbautraining verknüpfen kann. Ich treffe mich dort mit unserem Ältesten, wir trainieren ein wenig gemeinsam und er trainiert noch weiter, während ich mich im Sessel mit Sauerstoff-Maske zurücklehnen darf.

Bild 10: „Blackzone“ – Sauerstofftherapie und Muskeltraining
Danach fahre ich einen kleinen Umweg, um bei einem Hofladen Obst und Gemüse zu kaufen und halte bei einem Bäcker, für Brötchen für das Abendessen.

Bild 11: Einkauf im Hofladen und beim Bäcker
Zum Abschluss des Tages gestalte ich noch das Abendgebet im digitalen Gebetshaus. Mit dem gleich Ablauf, aber anderem Bibelvers. Ich teile mit den Frauen ein paar Gedanken zu dem Vers aus Jakobus 5,16: „Des Gerechten Gebet vermag viel.“ Keiner von uns ist von sich aus gerecht. Wir alle machen Fehler, wir alle haben schwächen. Aber in der Bibel steht, dass wir, wenn wir an Jesus glauben und ihm unsere Schule geben, von Jesus gerecht gesprochen werden. Wir sind dann als „die Gerechten“ deren Gebete „Macht haben und viel bewirken können“, wie es in der Übersetzung „Neues Leben“ heißt. Ich erinnere die Frauen daran, dass sie jederzeit für andere Menschen beten können und dass unsere Gebete alle etwas bewirken und gebe ein paar Minuten Zeit, das direkt umzusetzen.

Bild 12: Abendgebet im Gebetshaus-digital-Hope
Danach nehme ich mir noch ein wenig Zeit für die Kind die teilweise schon in ihren Betten liegen und gehe selbst auch früh ins Bett.
Danke, dass du mich in meinem Tag begleitet hast. Und vielleicht kannst du ja ein paar Ideen mitnehmen, wie du gut für deinen Körper, deine Seele und deinen Geist sorgen kannst.
Herzliche Grüße, Judith